Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 10 (1867))

Excurse zu einigen Theilen des Seerechts.

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Hellen, und später Sammlungen und Gesetze nothwendig machten.
Eine der ältesten ist der Theil der Pandekten „Nautae, caupones,
stabularii, ut recepta restituant“ D. (4.9). Jndeß handeln die darin
anzutreffenden einzelnen, den nauta betreffenden Fragmente nur de
recepto, oder wie die Ueberschrift sagt: „ut recepta restituant,“
und ebenso bespricht das gemeine Recht nur „die eigenthümliche Ver-
antwortlichkeit der (Gast- und Stallwirthe und) Schiffsführer aus
der Aufnahme Reisender für deren eingebrachte Sachen" — Sin-
tenis, a. a. O., § 120, S. 681 flg.; — wie denn auch die ältern
Rechtslehrer, von derselben Grundlage ausgehend, denselben Stand-
punkt beibehalten. — Leyser, sp. 66; Wernher, p. VIII,
obs. 321; Puffendorf, obs. jur., T. IV, obs. 150*, Lauter-
bach, de nautis, cauponibus et stabulariis. Tubing. 1676;
Glück, Comment., Thl. 6, ß 485 flg. — Von dm neueren Gesetz-
gebungen ist es besonders die preußische, welche im Landrecht, Thl. 2,
Tit. 0, § 1747—1765 das Verhältniß des Schiffers zu dem Rei-
senden ordnet. Besonderes Verdienst hat sich, als das Auswande-
rungssteber vom Jahre 1813 an Tausende nach Amerika trieb, und
besonders vom Jahre 1831 an immer größere Dimensionen annahm,
der Senat zu Hamburg erworben durch die revidirte Verordnung
vom 3. Juni 1830, in Betreff der Verschiffung der über Hamburg
direct nach andern Welttheilen Auswandernden, nebst Zusatzartikel
vom 6. Aug. 1851, und durch die Beförderung von Auswanderern,
welche von Hamburg über andere europäische Zwischenhäfen nach
fremden Weltheilen auswandern, vom 28. Mai 1851. — Es hat
daher augenscheinlich unser H.-G.-B. eine sehr bedeutende Lücke der
Gesetzgebung ausgefüllt, wenn es die Beförderung von Passagieren
im 665. bis mit 679. Art. regelt. — Wenn dasselbe nirgend der
„Passagierschiffe" besonders erwähnt, so kommt dieß daher, daß
eigentliche und exclusive Passagierschiffe wohl kaum mehr fahren,
daß vielmehr jedes Handelsschiff theils Güter, theils Passagiere auf-
zunehmen bereit und eingerichtet ist, und daß die Uebernahme der
Beförderung von Reisenden zur See, nach Art. 271 unter 4. selbst
zu den Handelsgeschäften gerechnet wird.
Zu Art. 665. Einen bestimmten schriftlichen Ueberfahrts- oder
Paffagevertrag schreibt das Handelsgesetzbuch, ja schrieb selbst das
sonst so viel auf die Schriftlichkeit haltende preußische Landrecht,

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