Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

Excurse zu einigen Theilen des Seerechts.

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auch bei der Uebergabe des Connossements der Fall sei. — Das
Archiv, III. Bd., S. 99 enthält das Erkenntniß des Admir.- und
Commerz-Collegiums zu Danzig vom 9. Oct. 1863, in einem Falle,
wo ein Käufer vom Connossement über schwimmendes Getreide von
dem Vertrage zurückzutreten erklärte, weil das letztere nicht, wie im
Schlußzettel stipulirt, am 31. Aug. 1863 zu Danzig angekommen.
Das Gericht wies den Käufer und Kläger mit seiner Prätension ab,
weil das Gesetz — Art. 355 — den Rücktritt nur dann zulasse, wenn
der Verkäufer mit der Uebergabe der Waare in Verzug sei, im
vorliegenden Falle aber nur Connossemente verkauft seien, welche
mit der Waare zu identificiren unstatthaft sei. — Ohne mich hier
weiter über diesen Grundsatz zu verbreiten, kann ich doch nicht umhin,
darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn das Connossement einmal
als negociables Papier angenommen, dessen Indossament daher der
Session gleichgeachtet wird, der Cessionar durch dasselbe wohl alle
Rechte des Verkäufers erlangt haben dürfte. Zwar ist die in mancher
Beziehung ganz richtige Subtilität aufgehoben worden, daß nicht die
Obligation, d. i. das Rechtsverhältniß zwischen dem Gläubiger und
dem Schuldner, sondern die dem Erstern zugewendete Seite desselben,
also die Forderung an sich Gegenstand der Cession sei — Sinte-
nis, a. a. O., § 120, III, 2. Bd., S. 797; — und darauf scheint
denn auch der obige Grundsatz sich zu basiren. Das widerstrebt aber
in der Regel allem Rechtsgefühl und der sich daraus gebildeten
Praxis. Es hat sich deshalb auch, nach Wilda, a. a. O., S. 33,
in der Handelswelt die Ansicht ausgebildet, daß durch das Connosse-
ment die Waare selbst übertragen wird, so daß der Schiffer dieselbe
dem rechtmäßigen Inhaber desselben (mithin auch dem Cessionar)
auszuantworten hat. — Vgl. auch Treitschke, a. a. O., S. 135. —
Das aber führt in unserem obigen Fall dahin, daß der besagte Käufer
allerdings ein Recht auf die Bestimmung des fraglichen Schlußzettels
hatte. Nichtsdestoweniger bin ich aber mit der Abweisung der Klage
desselben einverstanden, weil der Inhaber des Connossements nicht
auf Auflösung, sondern auf Erfüllung des Vertrags, oder eigentlich,
nach der Bestimmung in Art. 355, entweder auf Erfüllung nebst
Schadenersatz, oder blos auf Schadenersatz — Archiv, I. Bd.,
S. 408; III. Bd., S. 396 — klagen kann. Zwar läßt der Schluß -
dieses Artikels dem Käufer auch nach, wegen Nichterfüllung von dem

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