Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

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Abhandlungen.

Reichsabschied v. 1559, § 35 — haben in Deutschland diese Bar-
barei .längst abgeschafft, und an dessen Stelle das „Bergerecht" ge-
setzt, nach welchem für das Bergen und Bewachen der Ladung ge-
strandeter Schiffe die rettenden Küstenbewohner — die „Berger" —
einen, der landesherrliche Fiscus einen zweiten Theil erhielt, und
der dritte den Eigenthümern verblieb. Neuerdings erhielten die
Berger eine billige Entschädigung — „Bergelohn." — Man hat
dießfalls besondere Strandordnungen. Hiervon, sowie von Haverei-
und Hülfskosten („Hülfslohn") mehr beim 7. 8. und 9. Titel.
Die im Art. 617, Alinea 2 enthaltene Vorschrift, daß der Ver-
frachter die Lekage (eigentlich „Leccage," der Abgang der flüssigen
Waaren auf dem Lager oder während des Transports) an der Fracht
sich verechnen lassen muß, welche auch das preußische Landrecht —
Thl. 2, Tit. 3, § 1730 — hier aber mit der Bedingung einer dieß-
fallsigen Erklärung, bevor er die Güter in Fracht genommen hat —
§ 1731,— enthält, würde eine sehr große und ungerechte Härte sein,
wenn er nicht, nach Art. 607, zu Ersatz alles Schadens von der Em-
pfangnahme der Güter bis zu deren Ablieferung, sofern er den Ver-
lust oder die Beschädigung als durch höhere Gewalt, die natürliche
Beschaffenheit der Güter, namentlich durch innern Verderb, Schwin-
den, gewöhnliche Lekage, oder durch äußerlich erkennbare Mängel
der Verpackung entstanden, nicht nachweist, verbunden wäre. Der
Verfrachter wird daher auf der Reise fleißig Revision halten müssen.
Der Art. 622 nennt unter den Unkosten der Schifffahrt vor-
zugsweise: Das Lootsengeld, auch „Pilotage;" es ist dieses der
meist von der Tiefe, welches das Schiff zu seiner freien Fahrt bedarf,
abhängige, in der Regel obrigkeitlich normirte Lohn der Lootsen für
das Geleite eines Schiffes in den Hafen, — das Hafengeld, oder
die von den „Hafengästen" (den fremden in dem Hafen einlau-
fenden Schiffen) an den „Hafencapitän" zu entrichtende Abgabe für
den gewährten Hafenschutz, — das Leuchtfeuergeld für die auf
den Leuchtthürmen und, statt deren, auf den an den Küsten stationir-
ten Schiffen unterhaltene Beleuchtung, — das Schlepplohn,
die Vergütung für das Anhängen mittelst des Schlepptaues an ein
voranfahrendes kräftigeres Schiff, — das Quarantainegeld,
die Abgabe für die die gesetzliche Zeit hindurch gewährte Aufnahme
in denQuarantaine- oderContumazhafen, — und die Auseisungs-

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