Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

Excurse zu einigen Theilen des Seerechts.

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Verlust des Balleüs eingetreten war. Das See- und Handelsgericht
zu Stettin erkennt, daß daraus, daß im 2. Abs. des Art. 566 im
Nothfalle die besondere Haftpflicht wegfalle, noch nicht folge, daß
die anderweite gesetzliche Vertretungsverbindlichkeit des Verfrachters
ausgeschlossen sei; daß die vorliegende Umladung im regelmäßigen
Verlaufe der Reise stattgefunden; daß der niedrige Wasserstand bei
Kronstadt kein Unfall, keine höhere Gewalt gewesen sei; daß der
Verlust erst auf dem Zollamte zu Petersburg stattgefunden; und daß
daher die Verfrachter für denselben aufzukommen hätten. — Ich
kann mich unmöglich mit dieser Entscheidung conformiren. Der unge-
wöhnliche Wasserstand dürfte, wenn er auch gerade nicht in
„das dunkle Gebiet der vi8 maior" — Kräwel im Archive,
2. Bd., S. 436 — zu verweisen ist, doch, da im Allgemeinen unter
derselben jede von außen kommende Naturgewalt, jedes unabwend-
bare Naturereigniß zu verstehen ist — Archiv, I Bd., S. 407;
2. Thl., S. 430 u. 442; 4. Thl., S. 409; 5. Thl., S. 337 flg. — eben
als Naturereigniß ein so unverschuldetes, wie unabweisbares Hinderniß
der Fortsetzung der Fahrt mit der ganzen vollen Ladung gewesen sein.
Bestimmt nun unser Artikel in seinem 2. Satze, daß bei Umladungen
in Nothfällen nach Antritt der Reise des Verfrachters Haftpflicht
cessire, so sehe ich nicht ein, warum in dem gegebenen Falle die
dortigen Beklagten so unbedingt verpflichtet gewesen sein sollen. Eher
hätte vielleicht die Behauptung, daß der fragliche Ballen erst auf
dem Zollamte zu Petersburg verschwunden sei, erörtert oder zum
Beweise ausgesetzt werden sollen, da, wenn sich dieselbe bewahrheitete,
die verfrachtende Compagnie den ihnen zur eu8toäia übergebenen
und vor der Ablieferung verschwunden Ballen unbestreitbar ersetzen
mußte. — Recht klar spricht sich über vis maior auch ein bayrisches,
im Archive, V. Bd., S. 335 flg. mitgetheiltes Erkenntniß vom
21. November 1864 aus.
Wenn selbst die im Art. 567 gedachte Genehmigung des Ab-
laders zur Verladung auf dem Verdecke erfolgt, so bleibt demunge-
achtet, falls dieselbe sonst dem Schiffe und dessen Bemannung
gefährlich werden könnte, die im 478. Art. ausgesprochene Verbind-
lichkeit bei Kräften. — Prot., S. 3751. — Auf dem Verdecke befin-
den sich bisweilen besondere bedeckte Räume — „Dünetten." — Ob
in diese verladen werden dürfe, hat die Conferenz der Entscheidung

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