Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

wenn aus einer nur aus zwei Personen bestehenden Handelsgesellschaft rc. 75
geben müssen, daß ein Concurs über das Vermögen der Gesellschaft
nicht möglich ist. Denn ohne Liquidation existirt die Gesellschaft auch
nicht einmal mehr als Liquidationsgemeinschaft.
Es läßt sich aber nicht annehmen, daß das Gesetz für unfern
vorausgesetzten Fall den Gesellschaftsgläubigern mit der Ueberein-
kunst der Gesellschafter das Privilegium des Gesellschaftsconcurses
hat entziehen und sie auf den weitläufigen Weg der von jedem Ein-
zelnen anzusteüenden actio Pauliana habe verweisen wollen; dieß ist
aber die nothwendige Consequenz, wenn man die Liquidation mit der
Auseinandersetzung der Gesellschafter unter sich für beendet erklärt.
Dagegen regelt sich das Verfahren dem Separationsrechte der
Gläubiger viel entsprechender, wenn man annimmt, daß die Liqui-
dation fortbesteht, bis die Befriedigung aller Gläubiger erfolgt ist.
In diesem Falle ist ein Concurs über das Gesellschaftsver-
mögen zulässig; denn es besteht die Liquidationsgemeinschaft unter
den bisherigen Gesellschaftern auch in der äußern Erscheinung, den
Liquidatoren der Gesellschaft, fort. Die einzelnen Gläubiger sind
nicht darauf hingewiesen, für sich einzeln ihre Separationsrechte
gegen den Gesellschafter, welcher das Geschäft übernommen hat,' oder
gegen dessen Concursmasse im Wege der actio Pauliana oder wie
sonst geltend zu machen, sondern es hat dieß Seitens des für den
Concurs über das Gesellschastsvermögen bestellten Verwalters zu
geschehen, kurz es gibt einen geregelten Schutz des Separationsrechts
gegen das Belieben der Gesellschafter.
3. Wenn dieß auch von geringerer Wichtigkeit ist, so weist doch auch
Art. 148 darauf hin, daß es den Gesellschaftsgläubigern in unserm
vorausgesetzten Falle keineswegs gleichgiltig sein kann, ob eine Liqui-
dation stattfindet oder nicht. Denn im erstem Falle ist ihnen im
zweiten Absätze des Artikels ein Mittel gegeben, die Verjährung durch
Rechtshandlungen gegen die Liquidatoren allen Gesellschaftern gegen-
über zu unterbrechen. Dieß Mittel entzieht man den Gläubigern,
wenn man mit den Gegnern annimmt, daß keine Liquidation statt-
findet.
Für unsere Ansicht überhaupt spricht auch noch, wenigstens was
die Anwendung des Handelsgesetzbuchs im Preußischen betrifft, Folgen-
des: Die preußische Instruction über Führung des Handelsregisters
(Iustizminist.-Blatt von 1861, S. 329) gibt kein Mittel, dem Publi-

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