Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

74 Können die Art. 127.128.130.131.132 Anwendung finden,
sondern erst mit der Befriedigung aller Gesellschaftsgläubiger beendet
sein kann.
2. Art. 122 gibt den Gesellschastsgläubigern ein Separations-
recht in Bezug auf das Gesellschaftsvermögen.
Zunächst ist es nicht unzweifelhaft, ob nicht bei einer Ueberlas-
sung des Gesellschaftsvermögens an einen der Gesellschafter dieses
Separationsrecht in Beziehung auf die einzelnen dazu gehörigen
Activa und sonstigen Vermögensstücke ohne Weiteres bestehen bleibt
und ob die Gesellschaftsgläubiger wirklich genöthigt sind, den Weg
der actio Pauliana einzuschlagen, um ihr Separationsrecht zur Gel-
tung zu bringen? Wäre ersteres der Fall, so bedürfte es keiner wei-
tern Ausführung, daß eine Liquidation, so lange ein Gesellschafts-
gläubiger noch existirt, ganz unerläßlich ist, da dieß der einzige Weg
ist, die Masse, welche Gegenstand der Separation sein soll, von dem
sonstigen Privatvermögen des das Geschäft fortsetzenden Gesell-
schafters getrennt zu halten. Dieser letztere müßte daher auf Grund
der Bücher der Gesellschaft deren Geschäfte als Liquidator der Ge-
sellschaft zu Ende führen, und die Buchführung über die neu einge-
gangenen Geschäfte, wenn er auch nicht gerade neue Bücher anlegte,
doch von der Buchführung der Gesellschaft dergestalt gesondert halten,
daß die Lage des Gesellschaftsvermögeus vollständig zu ersehen wäre
(Art. 28).
Der Uebernehmer des Geschäfts könnte sich, ohne das Sepa-
rationsrecht der Gesellschschaftsgläubiger zu verletzen, auch nicht den
Bestimmungen des Art. 141, zweiter Absatz entziehen.
Indessen nehmen wir auch an, daß durch die Ueberlassung des
Geschäfts an einen Gesellschafter das Activvermögen ohne Weiteres
aufhört, Gesellschaftsvermögen zu sein, daß es dem Privatvermögen
des überlebenden Gesellschafters einverleibt wird, wofür Art. 147
sprechen würde. Bei dieser Annahme leuchtet es zunächst ein, daß
unser vorausgesetzter Fall sich wieder wesentlich von dem regel-
mäßigen Fall, wo die mehrerern zurückbleibenden Gesellschafter die
Gesellschaft fortsetzen, unterscheidet. Denn bei der letztem Verände-
rung bleibt mit der Gesellschaft ein Gesellschaftsfonds bestehen, wel-
cher Gegenstand der abgesonderten Befriedigung sein kann. Erklärt
man nun in unserem Falle die Liquidation mit dem Uebergange des
Geschäfts auf einen Gesellschafter für beendet, so wird man auch zu-

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