Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

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Zur Erläuterung der die offene Gesellschaft betreffenden

solchen Fällen die Auflösung der Gesellschaft so unbedingt eintritt.
Bei dem sactischen Fortbestehen einer vorn Art. 123 betreffenden Ge-
sellschaft schwebt vielmehr noch die Frage, ob sie als ausgelöst anzu-
sehen sei? Trägt man aber Bedenken, der obigen Ausführung im
Allgemeinen beizupflichten, so tritt doch ganz unzweifelhaft nach
Art. 123, Nr. 5 eine solche Ungewißheit über die Fortdauer der
Gesellschaft dann ein, wenn die Zeit abgelausen ist, auf deren Dauer
die Gesellschaft eingegangen war; denn für diesen Fall legt der
Art. 123, Nr. 5 ausdrücklich der blos stillschweigenden Fort-
setzung der Gesellschaft die Wirkung einer rechtlichen Fortdauer
der Gesellschaft bei. Wie soll es nun bei einer solchen Ungewißheit
über die Fortdauer der Gesellschaft gehalten werden, wenn also die
Gesellschafter nicht zur Liquidation schreiten, und ebenso wenig Liqui-
datoren zur Eintragung anmelden? Wie soll der Dritte in einem sol-
chen Falle darüber Gewißheit erhalten, ob die geschäftssührenden Ge-
sellschafter noch zur Vertretung der Gesellschaft befugt sind?
Juristisch consequent wäre es freilich, wenn mit dem Augenblick
der Auflösung der Gesellschaft auch die besondere Vertretung der Ge-
sellschafter durch die geschäftssührenden Gesellschafter aufhörte. Diese
Befugniß ist nur eine Folge des Gesellschaftsvertrages; mit dessen
Aufhebung fällt sonach folgerichtig diese besondere Vertretungsbefug-
niß fort. Es bleibt nur noch die Gemeinschaftlichkeit des Gesellschafts-
vermögens übrig. Aus dieser Gemeinschaftlichkeit folgt dann
aber für alle Gesellschafter das Recht und die Pflicht der ferneren
gemeinsamen Verfügung über das Gesellschaftsvermögen.
Doch würde diese juristische Consequenz in der Praxis den gro-
ßen Uebelstand herbeiführen, daß die Vertretungsbefugniß der bis-
herigen Geschäftsführer der Gesellschaft im Dunkeln bleibt, denn die
Auflösung der Gesellschaft tritt, wie oben ausgeführt worden, nicht
allemal so offenbar in's Leben, daß sie jedem Dritten ohne Weiteres
erkennbar wäre. Wenn nun die Auflösung der Gesellschaft nicht in
das Handelsregister eingetragen ist, so muß doch nach Art. 129, Abs. 5
und Art. 25, Abs. 2 derjenige Dritte die Auflösung der Gesellschaft
gegen sich gelten lassen, welchem nur das Ereigniß, welches die Auf-
lösung der Gesellschaft herbeiführt, also z. B. der Ablauf der Zeit
bekannt war, für welchen die Gesellschaft eingegangen war. Je nach-
dem der Dritte die Frage der Auflösung der Gesellschaft dann richtig

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