Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

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Zur Erläuterung der die offene Gesellschaft betreffenden

Im Gegensatz hierzu führt Art. 123 diejenigen Fälle auf, in
welchen die Auflösung nicht von dem richterlichen Ermessen, also der
richterlichen Würdigung der Thatsachen, sondern von diesen Tat-
sachen selbst herbeigeführt werden kann. In den Fällen des Art. 123
genügt es also, wenn einer der Gesellschafter von der gesetzlich an-
geordneten Auflösung der Gesellschaft Gebrauch machend, die wirk-
liche Auflösung der Gesellschaft herbeiführt. Er braucht bei etwaigem
Widerspruch anderer Gesellschafter dem Richter nur nachzuweisen,
daß eins der Ereignisse eingetreten ist, an welches Art. 123 die Auf-
lösung der Gesellschaft knüpft. Dann muß auch der Richter unbe-
dingt die Auflösung der Gesellschaft aussprechen.
Macht aber keiner der Gesellschafter von dieser Vorschrift des
Gesetzes Gebrauch, werden vielmehr die Geschäfte der Gesellschaft
nach wie vor fortgeführt, so tritt die vom Gesetz gewollte Auflösung
der Gesellschaft, die als solche doch auch thatsächlich ins Leben
treten muß, nicht ein, und die Gesellschaft wird deshalb nach wie vor
auf Grund des Art. 102 von den einzelnen zur Geschäftsführung
befugten Gesellschaftern rechtsgültig vertreten und verpflichtet.
Zu demselben Ergebnisse kommt man aber auch noch auf einem
anderen Wege.
Legt man nämlich auch den ersten Worten des Art. 123 „die
Gesellschaft wird aufgelöst" eine das Wesen der Gesellschaft zer-
störende Kraft bei, so bestimmt doch Art. 110:
Die rechtliche Wirksamkeit einer offenen Handelsgesellschaft
tritt im Verhältniß zu dritten Personen mit dem Zeitpunkte
ein, in welchem die Errichtung der Gesellschaft in das Han-
delsregister eingetragen ist, oder die Gesellschaft auch
nur ihre Geschäfte begonnen hat.
Sonach hat die Fortsetzung der Geschäfte einer Gesellschaft, welche
nach Art. 123 für aufgelöst gelten soll, den Erfolg, daß mit dieser
thatsächlichen Fortsetzung die Gesellschaft im Verhältniß zu Dritten
zugleich in rechtliche Wirksamkeit tritt. Weil aber sonach die bis-
herige als fortgesetzte Gesellschaft ins Leben tritt, so bedarf es
auch einer neuen Eintragung derselben in das Handelsregister nicht.
Stirbt also z. B. ein Gesellschafter, ohne daß im Vertrage schon
vorher verabredet ist, daß die Gesellschaft mit den Erben des Ver-
storbenen fortgesetzt werden soll (Art. 123, Nr. 2), so wird im Falle

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