Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

Art. 93 bis 97.102 bis 104 rc. des allg. deutsch. H.-G.-B. 45
er während der Dauer der Gesellschaft berechtigt ist, statt gegen die
Gesellschaft sofort gegen den einzelnen Gesellschafter zu klagen, so
müßte er auch nach der Auflösung der Gesellschaft durch Concnrs
die Befugniß haben, statt im Gesellschaftsconcurse seine Forderung
in den Einzelconcursen anzumelden, und zwar zu ihrem ganzen Be-
trage. Diese Befugniß entzieht ihm der Artikel aus BilligkeitsrüÄ-
sichten. So lange die Gesellschaft besteht, ist es für die Gesellschafter
ziemlich gleichgültig, ob die Gesellschaftsgläubiger statt aus dem Ge-
sellschaftsfonds von dem einzelnen Gesellschafter Zahlung verlangen,
denn dieser kann die zur Zahlung erforderlichen Mittel aus der Ge-
sellschastscasse entnehmen oder sich ersetzen lassen. Anders, wenn die
Gesellschaft insolvent geworden ist. Zwar ist auch in diesem Falle ein
Regreß der einzelnen Massen gegen einander nicht ausgeschlossen, allein
abgesehen von der Schwierigkeit desselben führt er doch nicht zum
vollen Ersätze des aus der Masse wirklich Gezahlten. Es ist daher
billig, daß die Gesellschaftsgläubiger zunächst an diejenige Masse
gewiesen werden, welche ausschließlich zu ihrer Befriedigung be-
stimmt ist."
Diese durch v. Hahn hervorgehobene Billigkeit gegen die
Gesellschafter ist aber zugleich eine Härte gegen die Gesellschafts-
gläubig er. Dieselben werden durch den Art. 122 verhindert, die
ihnen im Art. 112 zugesicherten, aus der solidarischen Verpflichtung
der Gesellschafter herfließenden Rechte auch gegen das Privatvermö-
gen der Gesellschafter in ihrem vollen Umfange geltend zu machen,
denn sie können nach Art. 122 aus dem Privatvermögen der Gesell-
schafter nur wegen des Ausfalls, den sie im Gesellschafts-
concurs erlitten haben, ihre Befriedigung suchen.
Nach den Worten des Art. 122 kann die Klage gegen die einzelnen
Gesellschafter sogar nicht früher begründet werden, als bis deren Aus-
fall im Gesellschaftsconcurse auch dem Betrage nach seststeht, also bis
nach der Beendigung des Concurses, so daß die einzelnen Gesellschafter,
im Falle der Concurs über das Vermögen der Gesellschaft eröffnet
wird, für lange Zeit vor jeder Inanspruchnahme ihres Privatver-
mögens wegen ihrer gesellschaftlichen Verpflichtungen sicher sind.
v. H a h n bemerkt im § 12 seines Commentars zu diesem Artikel:
„Nicht nothwendig ist, daß zugleich sämmtliche Gesellschafter insolvent
sind. Allerdings wird, so lange einer der Gesellschafter noch solvent ist,

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