Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

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Zu Art. 361 u. 362 des H.-G.-B.

indossirt worden war, und dann sogar selbst ausdrücklich bemerkt, daß
die Nichteinlösung des Wechsels durch den Acceptanten F. vorauszu-
sehen gewesen wäre. Hatte nämlich in diesem Falle Beklagter sowohl
als Commissionär und Vertreter des T. in der Abwickelung der von
ihm, D., bewirkten Verkäufe als auch weil gerade in Bezug auf die
Einlösung des fraglichen Wechsels mit besonderem Aufträge bedacht,
bei der angegebenen Sachlage, es vorgezogen den Wechsel selbst einzu-
lösen, so hat er jedenfalls doch ganz unverkennbar als negotiorum
gestor im Interesse des Klägers T. gehandelt, da letzterer hierdurch von
der Regreßforderung des Wechselinhabers befreit wurde. T. vermochte
auch gar nicht einmal zu behaupten, daß er dem Beklagten D. die
Aufwendung von mehr als 50 fl. zu dem vor gedachten Zwecke ge-
radezu untersagt habe.
2. Der Umstand, daß Beklagter D. 3°/0 Provision bezieht, ist
durchaus nicht geeignet, eine Präsumtion dafi'rr zu begründen, daß
derselbe dei credere zu stehen habe, vielmehr würde D. dem Kläger,
abgesehen von der Uebernahme einer ausdrücklichen Garantie für die
nicht eingegangenen Beträge nur dann aufzukommen haben, wenn ihn
ein besonderes Verschulden treffen würde, d. h. wenn er bezüglich des
Geschäfts mit F. nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kauf-
manns verfahren sein sollte. Er wäre aber allerdings nicht mit der
nöthigen Sorgfalt verfahren, wenn er zur Zeit des Verkaufs bereits
gewußt haben sollte, daß F. ein schlechter Zahler, seine Solvenz
zweifelhaft, daß zu verschiedenen Zeiten Wechsel gegen ihn protestirt
worden u. dgl. Der Umstand, daß D. dem Kläger T. sämmtliche
Käufer und namentlich auch den Bäcker F. vorher bekannt gemacht
und daß T. gerade auch den F. gut geheißen und den Geschäftsab-
schluß mit demselben genehmigt habe, vermöchte den Beklagten D.
nicht von seiner Haftbarkeit zu befreien, da er nicht zu behaupten im
Stande war, daß er dem Kläger T. von den Vermögensverhältnissen
das F. ebenfalls Kenntniß gegeben habe oder daß diese Verhältnisse
dem T. sonst schon bekannt gewesen wären.

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