Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

Zur Lehre vom Frachtgeschäfte.

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ankäme. Ich halte diese Vorsicht für unnöthlg, die jetzige Fassung
dagegen für sprachrichtiger, aber immer noch nicht für ausreichend.
Gesetzt der Frachtführer übergibt unterwegs seinem Knechte den Wei-
tertransport, eilt diesem voraus, und kommt selbst mit dem Fracht-
briefe einen Tag eher am Ort der Ablieferung an; dann würde dessen
Ankunft an sich schwerlich den Empfänger berechtigen, die Ablieferung
zu verlangen; denn dazu gehörte doch vor allen Dingen auch die An-
kunft des Guts. Wie aber wenn Frachtführer und Gut einen oder
zwei Tage vor der Ablieferungszeit ankommen, kann auch da der Em-
pfänger die sofortige Ablieferung verlangen? Auf Grund des Fracht-
briefes, der zur Zeit nur noch den Frachtführer und Absender bindet,
nicht. Vermag aber der Destinatär nachzuweisen, daß durch längeres
Aufbewahren bei dem Frachtführer, oder in den von diesem gewählten
Localitäten die Waare dem Untergange, Verluste oder Verderben
ausgesetzt ist, so dürfte Jene, falls dieser nicht volle Garantie leistete,
wohl berechtiget sein, diese Ablieferung zu verlangen. Enthält indeß
der Frachtbrief die Worte; „und längstens den ..(abzuliefern), so
genügt schon die Ankunft des Frachtführers mit dem Frachtgute zum
Verlangen der Ablieferung.
Der Artikel unterscheidet „Frachtvertrag" und,,Frachtbrief,"
jenen für die Rechte, diesen für die Verpflichtungen des Em-
pfängers — 579. Sitzung. —
Uebrigens sollte der Artikel ausdrücklich aussprechen, daß es
nicht als nothwendig verlangt werde, daß der Empfänger besonders
erklären müsse, wie er die fraglichen Rechte im eigenen Namen verfolge
— 583. Sitzung. — Verfolgt er sie aber in fremden Namen, so kann
er dieß doch gewiß nicht ohne Legitimation oder bez. Cession thun, z. B.
wenn der nrsprüngliche Destinitär die Waare inzwischen weiter ver-
kauft und seinen Käufer als Empfänger angewiesen hat. Daß aber
hier der Frachtführer, abgesehen davon, daß dadurch die Tour nicht
wider seinen Willen und zu seinem Nachtheile verlängert werden darf,
von dem ursprünglich angewiesenen Empfänger gehörige Anweisung
und Sicherstellung erhalten muß, versteht sich von selbst.
Art. 406.
Der Artikel spricht zwar von der Annahme des Guts und des
Frachtbriefes, und hiernach könnte es scheinen, als brauche der
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. IV. 87

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