Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

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Zur Lehre vom Frachtgeschäfte.

kanntesten Rechte begründet. Ein anderer Fall ist, wenn z. B. ein
Frachtführer Güter zum Transport bis Dresden übernimmt, für die
Weiterbeförderung von da an aber nur Sorge zu tragen hat. Hier
tritt der Frachtführer von Dresden an in die Rolle eines Spediteurs,
und hat von hier an dessen Pflichten und Rechte.
Die Schäfer'sche Ausgabe des A. D. H.-G.-B.
hat zu diesem Artikel mehrere Bemerkungen, von denen nur das We-
sentlichste hier wiedergegeben werden soll.
Im Zweifel ist anzunehmen, daß ein Contrahent nur soweit er
aus einem Geschäfte Nutzen zieht, auch die Gefahr aus demselben
übernimmt, und daß daher bei mehreren, nach einander folgenden
Frachtführern nicht ein einheitlicher Frachtvertrag, sondern eine Reihe
successiver Verträge anzunehmen ist, deren lex der Frachtbrief bildet.
Uebernimmt aber der Frachtführer den Transport für eine auf die
ganze Dauer berechnete Summe, so liegt darin auch die solidarische
Uebernahme des ganzen Transports, und kommen dabei die Frachtlöhne
bei einzelnen eintretenden Frachtführern nicht in Berücksichtigung. —
572. und 578. Sitzung. — Vergl. auch Art. 428—431. —
Die Absicht des zweiten Theils des Artikels geht offenbar auch
dahin, zu bestimmen, daß jeder Frachtführer mit der Waare und dem
Frachtbriefe des frühern Frachtführers auch die Verpflichtung über-
nimmt, die Waare, nach Maßgabe dieses Frachtbriefes, an den Em-
pfänger abzuliefern, gleich als wäre er der ursprüngliche erste Ueber-
nehmer. Er kann sich also z. B. nicht mit der Ausflucht behelfen, er
habe die Waare von seinem Vormanne ramponirt — schlecht ver-
wahrt rc. — erhalten. — 569. Sitzung. — Das gilt aber eben nur,
wenn er den ersten Frachtbrief übernommen. Hat er dagegen einen
neuen Frachtbrief ausstellen lassen, so ist dieser maßgebend. Ueber-
nahme auf den alten Frachtbrief unter Protest ist unzulässig — 89.
und 571. Sitzung —; wohl aber kann der Neueintretende sich alle
Mängel rmd Unrichtigkeiten, auch Verspätigungen auf dem alten
Frachtbrief bemerken lassen, welcher dadurch in einen neuen umge-
wandelt wird — 571. Sitzung. —
In derselben Sitzung wurde bemerkt, daß die Bestimmung, daß
vo« dem Abschlüsse des Frachtvertrags, oder auch nur von der Ueber-
gabe und Uebernahme des Frachtgutes an ein obligatorisches Berhält-
niß zwischen Absender und Frachtführer eiutrete, um so wichtiger in

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