Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

Zur Lehre vom Frachtgeschäfte.

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ungewöhnlich starkes und anhaltendes Schneetreiben verursacht wor-
den sei. Die Clausel des Frachtbriefes „bei Verlust der Fracht" habe
nur den Zweck, den Absender gegen Nachlässigkeit und Saumseligkeit
des Frachtführers in Schutz zu nehmen. So erkannte das Comm.-
und Admiralitäts-Colleg. zu Königsberg am 8. April 1863. Das
war jedenfalls eine vis major, welche der Frachtführer nicht abwm-
den konnte, der er sich beugen mußte.
Art. 400.
Die Vertretung der Dienstleute durch die Herrschaften ist ver-
schieden beurtheilt worden. Die Grundsätze des römischen Rechts
von der unbedingten Haftung für die Sclaven — i. 2. 5, § 1 de
noscal. act. (9.4) passen nicht aus das deutsche Gesindewesen. Das
deutsche Civilrecht erkennet die Haftung der Dienstherrschaft für
Dienstboten und sonstige Dienstleute wegen der von ihnen bei Ver-
richtung der übertragenen Dienste dritten Personen verursachten
Schäden nur dann an, wenn Jene bei Auswahl der Dienstboten nicht
vorsichtig gewesen, um sich zu vergewissern, daß sie fähige und brauch-
bare Leute hierzu anstellen. — Sintenis a. a. O., 2. Th. § 102
und Note 129 und 130, S. 383 flg., 2. Ausg. — Die sächsische Ge-
sindeordnung von 1835 verweiset § 76 auf die civilrechtlichen Grund-
sätze über die Verbindlichkeit zur Vertretung eines Bevollmächtigten.
Unser Gesetz dagegen spricht die unbedingte Haftverbindlichkeit des
Frachtführers „für seine Leute und für andere Personen, deren er sich
bei Ausführung des von ihm übernommenen Transports bedient,"
aus. — Demgemäß wies auch — Archiv, 2. Bd., S. 109 — das
Comm.- und Adm.-Collegium zu Königsberg am 25. Sept. 1863 die
Klage des Destinatärs gegen einen Eisenbahn-Beamten auf Schaden-
ersatz ab, weil Jene mit der Bahn, nicht mit dem Beamten in einem
Vertragsverhältniß gestanden. —
Unter den „andern Personen" werden auch die substituirten
Frachtführer verstanden, von denen der
Art. 401
handelt. Daß der Frachtführer, welcher die Ausführung des erhal-
tenen Auftrags einem Andern überträgt, für diesen, und falls auch
dieser weiter substituirt, für alle diese Nachfolger haftet, ist indem be-

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