Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

408

Zur Lehre vom Frachtgeschäfte.

bewahrung des Gutes bei einer Zoll- und Steuerbehörde nicht cessire
so lange ihm die Jnvigilirung nicht unmöglich worden sei. — 570.
Sitzung. — •
3. Für den durch die Witterung verursachten Schaden haftet der
Fuhrmann nur bei nicht sorgfältiger Verwahrung und unnöthiger Ver-
längerung der Tour (aber gewiß auch, wenn er nicht gut verwahrte
Colli's sorglos und ohne Widerspruch angenommen hat). Die Sün-
den des Aufgebers hat er natürlich nicht zu tragen — 568. Sitzung. —
4. Daß bei werthvollen Gegenständen der Frachtführer mit dem
Einwande gehört haben müsse, daß er, wenn man ihm den Inhalt
des Gutes bezeichnet hätte, auch die besondere erforderliche Sorgfalt
aufgewendet haben würde, daß er aber, da Jenes nicht geschehen, sich
mit der Sorgfalt für gewöhnliche Frachtgüter begnügt habe. Das
eben halte ich nicht für richtig. Die Sorgfalt an sich muß für alle
Güter ein und dieselbe sein. Der Werth kann nicht entscheiden.
Dem Armen ist ein Paket Wäsche oder Kleider von so großem Werthe,
wie dem Reichen ein Kästchen Juwelen. Die Kenntniß des Werthes
und die Furcht vor dem größern Ersätze wird freilich den Frachtführer
in letzterem Falle zu größerer Vigilanz veranlassen; das ist aber kein
Verpslichtungsgrund, sondern ein Motiv des Interesses. — Hier hat
aber das Handelsgesetzbuch ausdrücklich bestimmt, daß „für Kostbar-
keiten, Gelder und Werthpapiere" der Fuhrmann nur bei genauer
Declaration hafte. Doch auch hier stellen sich Zweifel ein. Was
sind „Kostbarkeiten?" Die Conferenz hat darunter nur „Juwelen"
verstanden, und demzufolge einer Erkenntniß des Handelsappellations-
gericht zu München vom 30. Juli 1836 Seidenwaaren nicht darunter
subsumirt — dieses Archiv, 1. Bd., S. 547. — Daß bei Geld und
Werthspapieren nicht der Nominalwerth, sondern nur der Courswerth
bei der Aufgabe zu verstehen sei, ist wohl selbstverständlich. —
Sintenis a. a. O., 2. Bd., § 85, Note 3, S. 57, 2. Aust. —
5. Daß die fragliche Declaration nicht gerade im Frachtbrief
stattfinden müsse, sondern selbst unterwegs noch erfolgen könne, falls
nur der Frachtführer noch den Weitertransport ablehnen oder Vor-
kehrung für genügende Sicherheit- treffen kann.
6. Daß die Anwendung der allgemeinen Rechtsgrundsätze über
die mora accipiendi durch den Artikel keineswegs ausgeschlossen
sind — 568. Sitzung. Mehr hiervon bei Art. 407.

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