Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

308 Fortsetzung der Zusammenstellung handelsrechtlicher Entscheidungen
Das Bezirksgericht Wels gab dem Klagbegehren unter Auf-
hebung der beiderseitigen Kosten in der Hauptsache statt, und zwar
aus folgenden Gründen:
Es wird von Seiten des Geklagten zugegeben, daß er zur an-
geführten Zeit ein Eilgut zur Beförderung nach Wien am Stations-
platze Wels aufgegeben und nur 98 Kr. ö. W. Frachtgebühr gezahlt
habe; nur widerspricht er, daß dasselbe ein solches Gewicht hatte,
daß nach dem Eisenbahntarife für Eilgutsendungen von Wels nach
Wien eine Frachtgebühr von 2 Fl. 66 Kr. ö. W. dafür zu fordern
und zu entrichten gewesen wäre, daß er somit die tarifmäßige Ge-
bühr nicht gezahlt habe. Jene Angaben der Replik aber, welche die
Klagsbehauptung, daß die richtig berechnete Eilgutsgebühr für jene
Sendung nicht 98 Kr., sondern 2 Fl. 66 Kr .ö. W. betrage, näher aus-
führen und ziffermäßig begründen, nämlich die genaue Gewichtsan-
gabe, die Meilendistanz, die Ziffer des Eilguttarifs, hat L. Wieser,
obgleich auf die Rechtsfolgen aufmerksam gemacht, unwidersprochen
gelassen, und der dießfällige allgemein gehaltene Widerspruch der
Einrede kann auf die ebenerwähnten näheren ziffermäßig begründen-
den Ausführungen, die zur Zeit des Widerspruches noch gar nicht
vorgebracht waren, nicht bezogen werden. Da sich nun aber aus
diesen Daten die obenerwähnte klägerische Behauptung, daß die
richtige Frachtgebühr für jene Eilgutsendung 2 Fl. 66 Kr. ö. W.
betrage, schon als Rechnungsresultat ergibt, so bedarf es hierüber
keines Beweises.
Es gelangen nun die aus jenen sactischen Momenten entspringen-
den Rechtsfragen zur Prüfung, und wird dießfalls vom Geklagten
die Abweisung des Klagebegehrens aus folgenden Gründen bean-
sprucht:
Vor Allem bestreitet L. Wieser überhaupt, daß Kläger, I. West-
mann, Expedits - Adjunct der Westbahn, für den Empfang der tarif-
mäßigen Gebühren im vorliegenden Falle — der Eilgutgebühr —
verantwortlich sei, und meint, er könne daher dießfalls keineswegs
von I. Westmann, sondern nur von der Eisenbahngesellschaft selbst
gefordert und geklagt werden. Kläger begegnete dieser Einwendung
durch Beibringung eines, als solches vom Gegner nicht wider-
sprochenen Decretes der Direction der Elisabethbahn, laut welchem
der Expeditsadjunct I. Westmann dem Transport-Expedite zu-

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