Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

Ueber Versteigerungen, insonderheit im Gebiete des Handelsrechts. 279
steigerungen unanwendbar sei. Es ist aber nicht zugegeben, was
v. Holzschuher S. 693 behauptet, daß ihre Zulassung überhaupt
der Natur der Versteigerung widerspreche; auch zu dieser und zur
Einwilligung in ein überaus geringes Meistgebot kann der Verkäufer
durch die Ungunst der Umstände genöthigt sein. In Preußen hat das
Rechtsmittel nur der Käufer (§ 58,1, 11 a. L.-R.) und seine ratio
(Jrrthum im Werthe) trifft ebensosehr bei Versteigerungen, als bei
andern Käufen zu, da nicht ein außerhalb des Willens des Käufers
liegendes Urtheil, wie in § 48 ib., das Gebot bestimmt. Bei Privat-
licitationen wird also die Anfechtung des Geschäfts wegen Verletzung
über die Hälfte dem Käufer (nicht blos wegen des in § 343 eit. ent-
haltenen arg. e contrario) nicht zu versagen sein. —
Endlich ist auch die Vindicabilität der in einer Versteigerung
erworbenen Sachen beschränkt. Bewegliche bei öffentlichen Ver-
steigerungen erkaufte Sachen sind in Preußen keiner Vindication
unterworfen (§ 42,1, 15 in Verbind, mit § 138,1, 2 a. L.-R.)??)
Weiter geht bekanntlich das H.-G.-B., welches den redlichen Erwer-
ber aller von einem Kaufmann in dessen Handelsbetriebe
veräußerten Sachen durch Uebergabe das Eigenthum erwerben
läßt (Art. 306). Auch für unbewegliche, in einer Versteigerung er-
kaufte Sachen hat man in Preußen die Ausschließung der Vindi-
cation behauptet. Indessen die gesetzliche Exsistenz eines Präclusiv-
Verfahrens zur Ausschließung von Realansprüchen (§ 54, 1,15
a. L.-R.), welches, wenn das Hhpothekenbuch des Grundstücks noch
nicht regulirt, oder der Besitztitel für den Schuldner noch nicht ein-
getragen ist, mit jeder nothwendigen Subhastation verbunden werden
muß (§ 7 Verord. v. 4. März 1834), zeigt hinlänglich, daß der Zu-
schlag keine andern Wirkungen hat, als die Uebergabe bei einem Ver-
kaufe aus freier Hand?^
27) So auch § 367 des österr. G.-B.
28) S. Präj. des Obertribunals 2614 v. 12. März 1855 — Entsch. B. 30,
S. 69 — Koch, R. d. Ford. 3, S.-822, preuß. Privatrecht I, § 215. 253,
Note 6. Auch nach § 35 des Rhein. Subh.-O. erwirbt der Meistbietende durch den
Zuschlag keine größeren Rechte, als der Schuldner zur Zeit des Zuschlags hatte. —
Man darf den Eigenthumserwerb aber nicht noch weiter erschweren, und schlechter-
dings den Besitz des Subhastaten erfordern. (So das Obertrib. in der von uns
D. Ger.-Zeitg. 1861 No. 61, bekämpften Entsch. v. 11. Januar 1861 — Entsch.
Bd. 44, S. 77 ——

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