Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

Ueber Versteigerungen, insonderheit im Gebiete des Handelsrechts. 273
steigernden auftritt, welcher nur die Gebote entgegennimmt, ohne
selbst zur Erklärung über Ablehnung oder Anmahme ermächtigt zu
sein. Bei nothwendigen Subhastationen fingiren die Particularge-
setze zuweilen eine Zustimmung der nicht erschienenen Interessenten.
In anderen Fällen wird, wenn keine Frist bestimmt ist, das Ermessen
entscheiden müssen. Willkürliche Verzögerung der Annahme macht
den Proponenten frei. — Eine ganz andere Frage ist es, ob das bloße
Uebergebot eines Andern den Bieter befreit. Viele verneinen dieselbe,
weil es von dem Versteigerer abhängt, auch ein geringeres Gebot an-
zunehmen. So Koch (R. d. Ford., III, S. 823), Glück, Unter-
holzner, Thibaut, Gründler u. A. Allein dieser Satz wider-
strebt u. E. der gewöhnlichen Absicht bei Versteigerungen, wenn auch
nicht dem Wesen des Geschäfts (wie Holzschuher a. a. O. S. 689
meint). Wird nicht im Voraus bestimmt, daß der Extrahent zwischen
den Licitanten beliebig wählen dürfe (was bei Zwangsversteigerungen
ganz unzulässig ist), so ist es u. E. ein naturale der Versteigerung,
daß jedes Gebot als Proposition unter der Bedingung gilt, daß kein
höheres Gebot erfolge, eine Aehnlichkeit mit der addictio in diem,
auf welche wir bereits oben hingewiesen haben. Die Grundsätze über
die Annahmefrist passen also nur aus den Meistbietenden. Ob dieser,
wenn mehrere Licitationstermine ausgeschrieben werden, bis zum 2ten
Termine an sein Gebot gebunden bleibt, entscheidet sich danach, ob
der folgende Termin als eine Fortsetzung des ersten oder als neues
Subhastations-Unternehmen anzusehen ist. Ersteres ist anzunehmen,
wenn die mehreren Bietungstermine auf ein Mal ausgeschrieben sind;
letzteres dann, wenn nur die Vereitelung des ersten die Ursache der An-
beraumung eines 2ten Licitationsterminsgewesen ist (s. Holzschuher,
S. 690). —
Die Vorschriften des H.-G.-B. über die Perfection von Handels-
geschäften gelten auch bei den im Wege der Versteigerung eingeleiteten
H.-Gesch. consequenter Weise nur von dem Meistgebot, welches alle
früheren Offerten erledigt. Ueber jenes muß sich der gegenwärtige
Versteigerer sofort erklären (Art. 318). Ist der Versteigerer ab-
wesend, und seine Zustimmung nicht gesetzlich zu fingiren, so ist der
Meistbietende an sein Gebot nach Art. 319. 328 das. eine gewisse,
nach den Umständen zu bestimmende Zeit hindurch dergestalt gebunden,
daß nur sein vor oder mit demselben dem anderen Theile zugehender
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. IV. 18

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