Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

Ueber Versteigerungen, insonderheit im Gebiete des Handelsrechts. 269
welche jedes Gebot als wirklichen Abschluß des Vertrages betrachten u)
ist nicht ohne juristischen Boden. An sich steht nichts im Wege, be-
reits in der Ankündigung einer Versteigerung eine Aufforderung zur
Vertragsschließung (Offerte, Proposition) zu erblicken, sobald dieselbe
nur den Gegenstand des Vertrages und die Art des letzteren (Kauf,
Lieferung rc.) genau bezeichnet. Die Naturalien des Geschäfts und
das Wesen der Versteigerung liefern die ergänzenden Vertrags-
elemente. Die Höhe der Gegenleistung wird (relativ) durch ein
künftiges Ereigniß, das Meistgebot, fipirt, welches, wenn die Dauer
der Versteigerung im Voraus oder durch Ermessen des Auctionators
bestimmt worden, stets objectiv sicher zu ermitteln ist. Da jedes Ge-
bot das höchste bleiben kann, so würde nach dieser Auffassung auch
jedes einzelne Gebot den Vertrag perficiren mit der stillschweigenden
Bedingung, daß derselbe nicht gilt, sobald ein besseres Gebot erfolgt.
Dieß ist die Aehnlichkeit mit der sogenannten in diem addictio.
Es ist aber eine petitio principii, ohne Weiteres die Grundsätze
dieser Abrede auf das Rechtsverhältniß bei Versteigerungen anzuwen-
den. Die für jene feststehenden Sätze, daß in der Regel die Benr-
theilung des Verkäufers für die Zulassung des besseren Bieters maß-
gebend ist, * *5) und daß dem ersten Käufer der Eintritt in das bessere
Gebot (das Vorkaufsrecht) Vorbehalten bleibt16) widersprechen durch-
aus der Rechtssitte bei Versteigerungen, und es ist um so unzulässiger,
daraus für die letzteren den Grundsatz abzuleiten, daß erst der Zu-
schlag (die Zustimmung des Versteigernden zu dem Meistgebot) den
Vertrag perfieire. —
So Glück, XVI. S. 269 ff. Thibaut u. A.

") Puchta, Pand., §252. Schwankend Holzschuher S. 688.
*5) L. 9 D. de in diem add. (18, 2): Sabinus scribit, liere vendiciori
meliorem conditionem oblatam abjicere sequique primam quasi meliorem et ita
utimur. § 279,1,11 allg. L.-R-: Wer für einen besseren Käufer zu achten sei,
hängt lediglich von der Beurtheilnng und Bestimmung des Verkäufers ab.
is) L. 7. 8. D. h. t. L. 35 D. de min. XXV. annis (4, 4): Si in emtionem
penes se collatam minor adjectione ab alio superetur, implorans in integrum
restitutionem audietur, si ejus interesse emtam ab eo rem fuisse approbetur,
veluti quod majorum ejus fuisset, ita tamen, ut id quod ex licitatione accessit,
ipse offerat venditori. § 287,1,11 allg. L.-R.: „Der erste Käufer hat, wenn er
sich eben diese Bedingungen gefallen läßt, das Vorkaufsrecht." Der Satz wird
im gem. Recht noch hier und da bestritten. Vgl. Holzschuher a. a. O. S. 758.

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