Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

Ueber Versteigerungen, insonderheit im Gebiete des Handelsrechts. 265
zur Abhaltung öffentlicher Versteigerungen in seinem Ge-
schäftszweige befugt ist) oder in Ermangelung eines solchen-durch
einen zu Versteigerungen 6) befugten Beamten7) zum laufenden Preise
bewirkt werden (Art. 311. 343. 354. 366. 387). Die relative
Fixirung des Preises und die Person des zu Versteigerungen er-
mächtigten Beamten sollen hier offenbar die in der Form der Ver-
steigerung selbst liegende Garantie für Erreichung eines angemessenen
Preises ersetzen. Der Gegensatz ist deutlich.
Die Geschästsform der Versteigerung ist also in bedeutendem
Umfange in das Gebiet des Handelsrechts gezogen, indem derselben in
in Fortentwickelung des bereits im röm. Recht enthaltenen und be-
sonders im preuß. a. L.-R. ausgebildeten Princips eine ganze Reihe
von Veräußerungen aus rechtlicher Nothwendigkeit, wobei abwesende
Interessenten zu vertreten, unterworfen sind. In einzelnen Fällen
tritt zu ver in der Versteigerung an sich liegenden Garantie die sonst
nicht im Begriffe des öffentlichen Verkaufs liegende8) Mitwirkung
des Gerichts, welches, bevor es den Verkauf verfügt, die anwesende
Gegenpartei zu hören hat (Art. 407. 626. 629. — Pfandklage bei
der Bodmerei — Art. 697). Von der Vollziehung des außergericht-
lichen öffentlichen Verkaufs des Faustpfandes, der verkauften Maare,
des Commissions- und Speditionsguts ist der Schuldner, beziehungs-
weise Käufer und Committent, soweit thunlich, sofort zu benach-
richtigen — bei Vermeidung des Schadensersatzes (Art. 311. 343.
354. 366. 387)»).
Im Uebrigen enthält das H.-G.-B. keine besonderen Vor-
schriften über Form und Inhalt der Versteigerung. Fragen wir, wie-
weit aus dieselbe die Vorschriften des 4. Buchs von den Handels-
geschäften anwendbar sind, so scheiden zunächst alle Verträge über
«) Früher stand auch hier zu „öffeuklichen Verkäufen" — Prot. S. 1339 —
7) 3- B. in Preußen einen in Gemäßheit der §§ 51. 53 der allg. Gewerbe-
Ordnung vom 17. Januar 1845 bestellten Auctionator.
0 S. die Entsch.desOberlandesger. zu Wien in Busch, Archiv II, S. 222.
0 In den Fällen der Art. 343. 354. 366. 387 ist ferner in der Regel vor-
herige Androhung des Verkaufs erforderlich. Ist beim Kauf eine festbestimmte
Lieferungszeit oder - Frist bedungen, so muß der Verkäufer, im Falle die Waare
einen Markt - oder Börsenpreis hat, den Verkauf unverzüglich nach Ablauf der
Zeit oder Frist vornehmen, und er hat nur den bewirkten Verkauf dem Käufer
ungesäumt anzuzeigen. Art. 357.

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