Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

222 II. Inwieweit kann der Mandatar und Vermittler Belohnung
Anwendung des Handelsrechts auf derartige Geschäfte un-
thunlich machen."
Ferner gehören auch die Gesindemäkler nicht zu den Kauf-
leuten, wenngleich sie aus der Vermittelung von Geschäften ein
Gewerbe machen, und dazu in Preußen amtlich bestellt und vereidet
Werden (§ 13 der Gesinde-Ordnung vom 8. November 1810); denn
die von ihnen vermittelten Miethsverträge zwischen Herrschaft und
Dienstboten sind keine Handelsgeschäfte. Wenn sich dagegen der-
artige Mäkler, wie dieß auch vorkommt, mit der Vermittelung von
Dienstverträgen zwischen Principalen und Handlungsgehilfen
befassen, so sind sie als Kaufleute anzusehen, da solche Dienstverträge
nach Art. 273, Abs. 1 des H.-G.-B. zu den Handelsgeschäften ge-
hören.
Ebensowenig sind die sogenannten Heirathsvermittler für
Kaufleute zu erachten; denn die von ihnen vermittelten Eheverlöb-
nisse und Eheschließungen sind offenbar keine Handelsgeschäfte, mag
auch in einzelnen Fällen die so vermittelte Ehe thatsächlich nur ein
Handels- und Speculations-Geschäft sein, und der eine Ehegatte in
Wirklichkeit nicht als Subject, sondern als Object des Ehevertrages,
nicht in seiner Persönlichkeit, sondern nur als Waare in Betracht ge-
zogen werden.

II. Inwieweit kann der Mandatar und Vermittler Be-
lohnung und Erstattung seiner Auslagen verlangen?
Für das ältere römische Recht würde hier in jedem einzelnen
Falle zuvörderst festzustellen sein, ob der Auftrag als Mandat, als
Dienstmiethe (locatio conductio operarum), oder als Dienst-
leistung (Jnnominat-Contract, do ut facias, facio ut des) anzu-
sehen wäre. Nachdem aber die Unentgeldlichkeit des Mandats, und
der Unterschied zwischen operae liberales (bouorariurn) und operae
illiberales (merces), zwischen benannten und unbenannten Contrae-
ten fortgefallen, resp. seine rechtliche Bedeutung verloren hat, ist die
obige Feststellung für die vorliegende Frage ohne Erheblichkeit.
Heutzutage unterscheiden sich diese Rechtsgeschäfte nur dadurch, daß
das Mandat die Uebernahme rechtlich bedeutsamer Handlungen, die
Dienstmiethe die Uebernahme physischer und mechanischer Dienste in

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