Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

Rechte des Käufers bei Contractwidrigkeit der gelieferten Maare. 113
seine Dispositionsstellung nach freier Wahl in einer dieser dreifachen
Weisen wirksam werden zu lassen, darüber bestimmt das Gesetz nichts.
Ferner kann dasselbe der Natur der Sache nach überhaupt auch nicht
auf Waaren bezogen werden, die, wenn gleich von anderen Orten über-
sandt und sofort nach Empfang dem ordnungsmäßigen Geschäfts-
gänge entsprechend untersucht und empfangbar befunden, sich später
als mangelhaft auswiesen. Denn über solche Waaren mußte der
Käufer theils wirthschaftlich durch Verarbeitung (der Frucht zu Mehl,
des Letzteren zu Brot und anderem Backwerk, der Wolle und Baum-
wolle zu Waaren aus diesen Stoffen), theils juristisch durch Weiter-
verkauf disponiren, oder sie vollständig auspacken und dadurch deren
ordnungsmäßige Verpackung zerstören, bevor die s. g. verborgene oder
heimliche Mangelhaftigkeit entdeckt werden konnte. Gleichwie eine Rück-
gabe derselben in eben demselben Zustande, wie empfangen, so ist auch
eine Aufbewahrung in eben demselben dadurch ausgeschlossen, wenn
auch der etwaige Weiterverkauf der Waare in unveränderter Gestalt
an zweite, dritte oder weitere Hand, in welcher der Fehler schließlich
z. B. nach der Auspackung entdeckt wurde, sogar der Anwendbarkeit
des Abs. 5 eit. insofern nicht im Wege stünde, als der demgemäße
Verkauf seitens des jemaligen Nachmanns für Rechnung des Vor-
manns bis auf den ersten Verkäufer zurückgehen resx. bei nur ein-
maligem Verkaufe zurückbezogen würde. — Auch bezieht sich Abs. 1
des Art. 348 schon dem Wortlaute nach wohl nur auf die gleich nach
Empfang „beanstandeten" (nicht genehmigten) Waaren.
Auf die bemerkten Bestimmungen beschränkt sich unser Handels-
gesetz in vorliegender Materie, wenn man hierzu nicht noch die Vor-
schrift des Art. 359 rechnen will, die unmittelbar nur eine quanti-
tativ mangelhafte Lieferung im Auge hat, insofern sie den Verzug
des Verkäufers durch eine blos theilweise „Vertragserfüllung" betrifft,
mittelbar jedoch auch auf den Fall einer blos theilweise nicht con-
tractmäßig gelieferten Waare bezogen wurde. Wir werden dieselbe
bald näher erörtern.
III.
Fragt man zunächst nach dem Grunde, weßhalb das Gesetzbuch
in vorliegendem Betrachte von nicht zu billigender Kürze, um nicht
zu sagen, Lückenhaftigkeit ist, so liegt derselbe vorzugsweise in dem
Gesichtspunkte, von welchem dessen hauptsächlichste Quelle, der preuß.
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. IV' 8

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer