Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

Rechte des Käufers bei Lontractwidrigkeit der gelieferten Maare. 109
daß Letzteres der Wichtigkeit derselben und dem Bedürfnisse nach einer
festen, gleichmäßigen Regelung, der geschilderten Verschiedenheit gegen-
über, nicht volle Rechnung trug. Dasselbe hat nämlich im vorliegen-
den Betrachte vorzugsweise den Schutz des Verkäufers, insbesondere
des am Lieferungsorte nicht anwesenden, gegen Beeinträchtigung seiner
Interessen im Auge, dagegen sich der Rechte des Käufers nur dürftig
angenommen. Außerdem betreffen seine Bestimmungen hauptsächlich
nur den Handel zwischen verschiedenen Orten, den s. g. Distancehan-
del, wobei die Waare von einem anderen Orte übersandt wird und
in der Regel der Verkäufer am Lieferungsorte nicht anwesend ist. Denn
in vorliegender Hinsicht kommt höchstens ein Artikel bezüglich der
s. g. Platzgeschäfte in Betracht, bei welchen der Ort der Uebergabe
der Waare zugleich derjenige ihrer Uebernahme Seitens des Käufers
oder dessen Repräsentanten und häufig zugleich auch derjenige des
Vertragsabschlusses selbst ist, so daß Letzterem die Untersuchung und
Genehmigung der Waare vorausgehen kann, so oft eine Einzelsache
oder ein gewisser Theil aus einem bestimmten Quantum (Lagervor-
rath, Schiffladung u. dgl.) in Frage steht?) Art. 346 bestimmt näm-
lich im ersten Abs., daß der Käufer verpflichtet ist, die Waare zu
empfangen, d. h. als empfangbar anzunehmen, sofern sie vertrags-
mäßig beschaffen, d. h. der ausdrücklichen oder thatsächlichen (mittelst
Probe) Zusage gemäß ist oder in Ermangelung besonderer Verab-
redungen den gesetzlichen Erfordernissen entspricht, d. h. nach Art.
335 „Handelsgut mittlerer Art und Güte" ist. Der 2. Abs. fügt
bei, die Empfangnahme (womit hier nach Prot. S. 642 im Unter-

zunächst die ganze Partie Waare incl. des fehlerhaften Theils unter Abstrahirung
von desfen Fehlerhaftigkeit und fodann letzterer Theil für sich allein gleichfalls mit
Unterstellung der Fehlerlosigkeit taxirt werden. Wie sich der festgestellte Taxations-
werth des Ganzen zu demjenigen des zu redhibirenden Theils verhalte, so müsse
sich der vereinbarte Gesammtpreis zu dem für letzteren Theil zu erstattenden,
dem 3E, verhalten Obwohl Fick a. a. O. S. 150, Not. 90 dieser Methode in
adgtraoto beipflichtet, ist es auch nach seiner Ansicht immer sehr schwierig und
bisweilen sogar ganz unmöglich, die factischen Verhältnisse festzustellen, auf
die sich jene complicirte Abschätzung gründen müßte.
b) Nach Prot. S. 657 ward in den Verhandlungen der Nürnb. Conferenzen
darauf hiugewiesen, daß man auch bei Platzgeschäften keinen Grund habe, auf
vorgängiger Untersuchung zu bestehen, so z. B. gewiß nicht, wenn sich Jemand
(soll, schon fest kaufend) Maaren aus einem Laden ins Haus holen lasse.

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