Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

Rechte des Käufers bei Contraeiwidrigkeit der gelieferten Waare. 107
faßte, insbesondere, wenn es sich nicht um eine unbedingte Zusammen-
gehörigkeit von Natur aus, oder um eine, wenn auch freiwillige, doch
unzweifelhaft untrennbare Vereinigung (z. B. von einem aus mehreren
Bänden bestehenden ganzen Werke oder von einem Gespann gleich-
farbiger oder gleichgestalteter Pferde, oder um ein einzelnes, für sich
ein Ganzes bildendes Waaren-Collo, oder von einem s. g. Sortiment)
handelte. Natürlich wurde, je nachdem man hierbei das Wahlrecht
des Käufers, entweder die ganze Partie Waare oder nur den nicht
coutractmäßigen Theil zur Disposition zu stellen, ausdehnte oder be-
schränkte, dessen Lage eine günstigere oder ungünstigere, womit die-
jenige des Verkäufers im umgekehrten Verhältnisse stand?

2) Brinckmannerklärt es a. a. O. S. 305 für zulässig (sonach als in die
freie Wahl des Käufers gestellt), nur «einen T h e i l der nicht contractmäßigen
Waare als fehlerhaft zurückzuweisen, sofern sich die Waare ohne besondere
V er Minderung ihres Werthes theilen läßt, ihr Preis nicht inRück-
sicht auf die Verbindung mangelhafter und guter Stücke bestimmt
wurde und" nicht die Güte der Waare im Gauzen sie als solches Kaufmannsgut
erscheinen läßt, wie es Gegenstand des Handels ist. Treitschke dagegen stellt
im ,,Kaufcontract" S. 234f. als Entscheidungsmoment für die Verpflichtung
des Käufers, auf Verlangen des Verkäufers die ganze Waare zur Disposition
zu stellen, deren (objective) Zusammengehörigkeit, sowie selbst in deren
Ermangelung für die Berechtigung (nicht Verpflichtung) des Ersteren zur
totalen Dispositionsstellung die einheitliche Preisbestimmung des Ganzen
auf, während er bei nicht zusammenhängenden Partien einer Lieferung, wenn
der Preis per Stück oder nach einer sonstigen Maßeinheit bestimmt oder vielmehr
darnach für das Ganze zu berechnen ist, den Käufer nur zur theilweisen
Dispositionsstellung (nämlich des schadhaften Theils) für berechtigt erklärt.
Er beruft sich für diese Entscheidung der Frage auf fr. 34 § 1, 38 § 14 pr.; fr.
36. 38. § 14 (non omnem poliam redhiberi oportere), 64 pr. § 1, fr. 38 § 12,
59, § 1 D. de aedil. edict. (21.1). Dagegen ging seit der Glossatorenzeit die
Ansicht der Einen dahin, daß auch bei mangelndem Zusammenhänge, jedoch
einheitlichem Gesammtpreise für das Ganze der Käufer zur totalen Dispo-
sitionsstellung nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet sei, während die Anderen
im Gegentheile auch dann nur theilweise Dispositionsstellung in Ermangelung
anderweitiger Vereinbarung des Käufers und Verkäufers zuließen. Gegen diese
Ansichten ist insbesondere der hierin mit der Meinung Treitschke's a. a. O. über-
einstimmende, in vieler Hinsicht verdienstvolle Aufsatz Fick's a. a. O. gerichtet,
indem er letztere Meinung aus den betreffenden Pandekten stellen, die sich zu
widersprechen scheinen (vgl. a. a. O. S. 129—145), sowie aus inneren, in der
Natur des Verhältnisses gelegenen Gründen (S. 145—151 eod.) zu rechtfertigen
sucht. — Goldschmidt macht a. a. O. S. 305 darauf aufmerksam, daß es sich

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