Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

106 Rechte des Käufers bei Contractwidrigkeit der gelieferten Maare.
oder aus einem Dutzend Messer ein oder das andere rostig) ist, der
übrige Theil dagegen aus guter Maare besteht, wodurch die Rechte
des Käufers bei nur theilweiser Fehlerhaftigkeit der Lieferung in Frage
kommen. Auch hierauf wurde verschieden geantwortet, je nachdem man
den Begriff der Theilbarkeit einer Waarenlieferung verschieden auf-

Leistung zurückzuweiseu. Denn da der Verkäufer Anfangs jene statt
dieser geltend machen wollte, so müsse er auch hinterher jene statt dieser an-
erkennen. Dem Rechte des Käufers auf das Interesse, daß die Maare nicht
contractmäßig ist, stehe aber dessen soweitige Anerkennung nicht entgegen.
Dieses Recht dürfte nämlich weder durch die Disposition noch durch das reine
Behalten als aufgegeben erachtet worden, weil aus der Geltendmachung dieses
Rechts der V erzicht auf jenes nicht nothwendig folge. Dabei mache es keinen
Unterschied, ob der Käufer bei der Disposition wußte oder nicht, daß die Maare
nicht empfangbar sei, nur daß im letztern Falle der Verzicht um so weniger ange-
nommen werden könne. — Letztere Ansicht hat insbesondere Treitschke in Richters
Neue krit. Jahrb. (III. S. 711) bestritten, weil der Käufer die vom Ver-
käufer vorgenommene Substitution einer anderen Maare für denselben
Preis nicht genehmigen könne, ohne zugleich darin zu willigen, daß es bei diesem
Preise bleibe. Es sei nämlich alsdann kein neuer Kauf an die Stelle des be-
absichtigten getreten (die contractwidrige Lieferung hätte sonach nicht als im Vollzüge
des vorausgegangenen Verkaufs prästirte, sondern als neu offerirte Maare zu
gelten!). Dieser neue Kauf würde nicht perfect sein, wenn der Consens nicht
Maare und Preis umfaßte. — Viertens räumt Thöl dem Käufer sogar unter Um-
ständen das Recht ein, die gelieferte, contractwidrige Maare zu behalten und
dennoch eine contractmäßige nachzuve rlangen und das Interesse geltend
zu machen, daß die rechte Zeit für jene Lieferung versäumt ist. Dieß nämlich
dann, wenn die Rückgabe der Maare ohne Zuthun des Käufers oder zwar durch
seinen freien Willen (etwa in Folge der bereits geschehenen Disposition), jedoch
ohne daß er damals die Nichtempfangbarkeit der Maare kannte, unmöglich wurde.
Denn dem ursprünglichen Recht auf die gehörige Lieferung könne die unverschul-
d ete Unmöglichkeit, die Maare zurückzugeben, nicht nachtheilig werden.
Treitschke dagegen hatte schon vor der vorgedachten Kritik in seiner Mono-
graphie über den Kaufcontract S. 242 fg.) die Ansprüche auf Wandelung sowie
auf Preisminderung für erloschen erklärt, wenn der Käufer die Maare ver-
nichtet, verzehrt, verarbeitet oder ohne die Möglichkeit, sie wieder zu erlangen, ver-
kauft oder sich sonst wie außer Stand gesetzt hat, dieselbe unverändert zurückzugeben.
Jedoch nimmt er den Fall, wenn die verborgnen Fehler der Maare erst durch
die Verarbeitung erkannt werden konnten, hiervon aus. Fick sprach sich in dem
obenerwähnten Aufsatz in Bd. VIII des Archiv für W.- u. H.-R. (insbes. S. 97 si.)
für das im Züricher G.-B. sanctionirte dreifache Wahlrecht aus. Dem stimmte
auch Goldschmidt in seiner Besprechung des Aufsatzes in Zeitsch. für das ges.
H.-R. III, S. 301 bei.

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