Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

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Literärische Umschau.

Namen eines selbstständigen systematisch geordneten Commentars
über das deutsche Handelsgesetzbuch gewiß verdient. Dasselbe gibt
nicht den Wortlaut der Artikel des letzter« mit Anmerkungen, wie die
Arbeiten von Makower, Bornemann, von Kraewel, Koch
u. a., sondern es stellt das deutsche Handelsrecht, wie sich solches aus
den Artikeln des deutschen Handelsgesetzbuchs und den Quellen des-
selben, insbesondere den Commissionsprotocollen ergibt, in freiem
> und vollständigem Vortrage dar. Das Werk gleicht sonach in dieser
Hinsicht dem Handbuche von Gad, nur daß es weit umfangreicher
und vollständiger als jenes ist. Am Rande sind die Artikel angeführt,
aus welchen das im Texte Gesagte geschöpft ist, und ebenso sind die
betreffenden Stellen der Commissionsprotocolle da, wo es nöthig
schien, citirt. Alle Abschnitte des Handelsgesetzbuches, welche die erste
Abtheilung enthält, sind mit gleichem Fleiß und gleicher Ausführlich-
keit behandelt, und die ganze Darstellung des Herrn Verfassers liefert
den sprechendsten Beweis tiefen Eingedrungenseins in den Geist und
die einzelnen Lehren des Handelsgesetzbuches und scharfer juristischer
Ausbeutung des Materials.
Wir freuen uns daher, das vorliegende Werk angelegentlich em-
pfehlen zu können.
Unter diesen Umständen brauchen wir nicht auf Einzelnheiten
einzugehen, wundern uns aber, um doch Eins zu erwähnen, daß der
Herr Verfasser, obgleich er den Commentar von von Hahn mehr-
fach benutzt hat, auf den Grund der ersten Commissionsverhandlung
neben den Handelsgebräuchen, als dem wahren Gewohnheitsrechte,
immer noch eine factischeUebung, als Rechtsquelle annimmt.
Schon im ersten Hefte dieses Archivs S. 112 ist er auf das Bedenk-
liche dieser Ansicht aufmerksam gemacht worden, und auch die Bei-
spiele, die er jetzt S. 15 für die Existenz und Wirkung solcher fakti-
schen Uebungen gibt, beweisen nichts; denn entweder haben solche
lange beobachteten Gebräuche nach Landesrecht die Erfordernisse
eines eigentlichen Gewohnheitsrechts, oder nicht; dort
gelten sie dann als solches, hier aber sind sie als factische Gebräuche,
nicht als Rechtsquelle zu betrachten und haben höchstens den
Werth eines Jnterpretationsmittels. (S. oben in der Beurtheilung
des Koch'schen Commentars die Citate von von Hahn und Be-
haghel. Heft 4 S. 577.)

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