Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

Literarische Umschau.

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„3n je schärferen Formen die Gesetzgebung ihren Willen aus-
prägt, mit desto glücklicherem Erfolge versieht die Wissenschaft ihr
Amt, unter den einzelnen Vorschriften und mit den daneben gültigen
Rechten die innere Verbindung herzustellen. Kein Gesetzbuch kann
diese Arbeit der Wissenschaft entbehren, das Deutsche Handelsgesetz-
buch am wenigsten. Dasselbe trifft Anordnungen, soweit sich auf dem
Gebiete des Vertragsrechts die Einigung erstreckte. Einzelne Rechts-
verhältnisse sind ausführlich erörtert. Bei diesen kommt es haupt-
sächlich auf das Verständniß des Gegebenen an und auf dessen Be-
ziehung zu den höheren Begriffen. Bei anderen Rechtsverhältnissen
wurde kein so vollständiges Einverständniß erreicht. In den Allge-
meinen Theil des Vertragsrechts griff das Gesetzbuch durch seine all-
gemeinen Bestimmungen über Handelsgeschäfte ein; doch mußte es
von einer planmäßigen Regelung desselben Abstand nehmen. Hier
liegt der Zusammenhang der einzelnen Sätze weniger zu Tage, und
ist die Aufgabe schwieriger, das Gegebene als ein lebendiges Glied
in den Organismus der Landesrechte einzufügen. Hier aber ist die
Arbeit besonders dringend, denn sie allein ergiebt das durch Einfüh-
rung des Gesetzbuches geschaffene Deutsche Handelsrecht, welches der
Geschäftsmann, der Anwalt, der Handelsrichter verwenden soll. Im
Geräusche des Marktes und der Gerichtsverhandlungen ist sie nicht
auszuführen. Deshalb wird auch den Fachgenossen, obschon sie selbst
an die Kunst der Rechtserforschung ihr Leben setzten, ein Handbuch
nicht unwillkommen sein, welches das nunmehr geltende Handelsrecht
auf knappem Raume zusammenfaßt.
Demselben Bedürfnisse zu entsprechen, welches durch Vereinba-
rung eines Deutschen Handelsgesetzbuches befriedigt werden sollte,
habe ich die Einfügung des Gesetzbuches in die vier Hauptrechts-
systeme Deutschlands, in das sogenannte gemeine, das altländische
Preußische, das Rheinische (Französische) und das Oesterreichische Recht
unternommen. Die dabei sich zeigenden Gemeinsamkeiten durften
als gemeines Deutsches Recht betrachtet werden. Sowohl diese,
welcke bisweilen hinter scheinbaren Abweichungen verborgen waren,
als die anzuerkennenden Verschiedenheiten sind aufgesucht. Das Ge-
setzbuch muß sich noch einbürgern. Deshalb habe ich mich dem Gange
desselben so viel als möglich angeschlossen, auch die Belagsartikel am
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. I. 4. Heft. 39

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