Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

VIII. Ueber die Beweiskraft der Handelsbücher.

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einer unbestrittenen Praxis herrscht aber darüber, daß die Handels-
bücher gegen den Geschäftsherrn vollen Beweis liefern, durchaus kein
Zweifel. Anschütz in der Zeitschrift für Handelsrecht a. a. O.
S. 210. Kräwel a. a. O. S. 53, Anmerk. 1. Sie sind zwar als
Privaturkunden zu betrachten, die der Recognition bedürfen, sie liefern
aber ein außergerichtliches, vollbeweisendes Geständniß, das nicht zu-
rückgenommen werden kann und dessen bindende Kraft nicht daran ge-
bunden ist, daß jenes Geständniß acceptirt oder daß das dasselbe ent-
haltende Dokument (das Handelsbuch) dem Gegner überliefert werde.
Anschütz a. a. O.
Mir scheint es aber wahrscheinlicher, daß das Handelsgesetzbuch
auch die Beweiskraft der Handelsbücher gegen den Geschäftsherrn
im Auge habe und mithin auch auf den Fall, wo die eigenen Bücher des
ersteren gegen ihn selbst sprechen, Anwendung finden müsse. Hierfür
spricht nämlich die Bestimmung im zweiten Satze des Artikels, nach
welcher auch den Büchern des Gegners des Geschäftsherrn Beweis-
fähigkeit beigelegt wird, vor Allem aber der Art. 37, der jedem der
streitenden Theile das Recht ertheilt, von seinem Gegner die Edition
der Bücher unter dem Präjudize zu verlangen, daß widrigenfalls der
behauptete Inhalt derselben für erwiesen werde angenommen werden.
Daraus geht ja evident hervor, daß das Handelsgesetzbuch sich auch
mit der Beweiskraft der Handelsbücher gegen den sie führenden Eigen-
thümer beschäftiget. Da nun schon der Inhalt des Handelsbuches
allein unter Umständen für den Geschäftsherrn voll beweisen
kann, so muß dieses noch weit mehr gegen ihn der Fall sein und gel-
ten. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die Handelsbücher des
Geschäftsherrn stets vollen Beweis gegen ihn liefern, denn auch hier
kommt es auf das richterliche Ermessen an.
3.
Der Beweis durch ein Handelsbuch kann ergänzt werden nicht
blos durch den Eid des Geschäftsherrn, sondern auch durch andere
Beweismittel, insbesondere Zeugen, sei es nun, daß diese die streitige
Thatsache aus eigener Wahrnehmung kennen, oder ein außergericht-
liches Geständniß des jene Läugnenden gehört haben und bezeugen.
Es liegt dann ein zusammengesetzter Beweis vor, wo mehrere Ver-
muthungen, selbst wenn ihre Prämissen nicht voll bewiesen sind, auf

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