Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 1 (1863))

514 Zur Lehre über die Haftungsverbindlichkeit eines Spediteurs.
des Sachverständigen aber erkennen lassen, hätte, damit, selbst bei
einer solchen Sachlage, bis zu dem um 2 Uhr Mittags stattsindenden
Schlüsse des Mauthamtes die Abfertigung der Mauth und die
Weiterbeförderung der Kisten anzuzeigen gewesen wäre, ein Zusammen-
treffen ganz besonderer Umstände stattfinden müssen.
Diese Umstände beruhen theils auf dem Gange des Geschäfts-
betriebes, wie derselbe hier überhaupt in Frage kommt, und bezüglich
des Klägers von den Beklagten eingeräumt worden ist, und kann
deren Vorhandensein, wie die Natur der Sache ohne besondere Dar-
legung, namentlich bei dem feststehenden Umfange des Geschäfts des
Klägers, annehmen läßt, nicht vermuthet werden; theils liegt das
Eintreten jener Umstände — was die Bereitschaft des Zollamts-
personals anlangt — so ganz außer der Macht des Klägers, daß man
Letzterem den Mangel der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns
nicht vorwerfen kann, wenn derselbe in vorliegendem Falle sich nicht
aus besondere Maßregeln bezieht, die er getroffen, um das Eintreten
der hier zuletzt gedachten Umstände herbeizuführen.
Bei der sich hiernach ergebenden Sachlage und der Behufs der
Erlangung der zollamtlichen Abfertigung in Wien erforderlichen, aus
sehr verschiedener Thätigkeit sich zusammensetzenden Manipulation
hat man auf die diesen Thatsachen gegenüber sich als ein Urtheil der
Beklagten darstellende allgemeine Behauptung, daß die Kisten am
12. Juni beim k. k. Hauptzollamte von der Zeit zwischen 10 und
1 l Uhr Vormittags zur weiteren Disposition bereitgestanden hätten,
entscheidendes Gewicht nicht legen können, während man zugleich eine
weitere Instruction der Sache, nach den hier vorgetretenen Rich-
tungen, anzuordnen aus den in dieser Beziehung weiter unten zu ent-
wickelnden Gründen sich behindert finden mußte.
Trotz des Ausgeführten hat man noch fragen müssen, ob nicht
wenigstens zu einer theilweisen Aufrechthaltung des Schadenanspruchs
der Beklagten zu gelangen sei?
Da nämlich Kläger bei dem verspäteten Empfang der 2 Kisten
sich sagen mußte, daß dieselben nun nicht mehr rechtzeitig bis zum
Abgänge des den 14. Juni 1862 fälligen Dampfers nach Triest ge-
langen konnten, so, könnte man weiter argumentiren, hätte er als ge-
wissenhafter Spediteur in Berücksichtigung ziehen müssen, daß sich
durch diese Veränderung der Sachlage der ursprünglich auf Be-

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