Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

Zur Lehre über die Haftungsverbindlichkeit eines Spediteurs. 513

erst am 12. Juni 1862 erhalten hat, Klägern etwas Weiteres nicht
zur Pflicht gemacht werden können, als die Anwendung „der Sorgfalt
eines ordentlichen Kaufmanns." — Art. 380 des Allgem. deutschen
Handelsgesetzbuchs. —
Das ist um so unzweifelhafter, als man nicht ohne Weiteres
annehmen kann, daß Kläger sich auch in dem Falle, wenn die Be-
klagten von vornherein ihm mitgetheilt hätten, daß die fraglichen
2 Kisten getrennt abgesendet werden und erst am 12. Juni 1862 in
seine Hände kommen würden, trotz der Dringlichkeit dieses Auftrags
zur Annahme desselben entschlossen haben würde.
War aber sonach Kläger nur erst nach Empfang der Benach-
richtigung vom Eintreffen des Restes der angekündigten Sendung
verpflichtet, für dessen Weiterbeförderung besorgt zu sein; so könnte
es sich nur noch fragen, ob ein Verschulden des Klägers wenigstens
insoweit anzunehmen sei, als er nicht sofort nach Empfang dieser
Nachricht, hinsichtlich welcher die Parteien darin einig sind, daß sie
Klägern am 12. Juni 1862 zugegangen sei, und in der Zeit bis zu
dem Nachmittags 2 Uhr an dem nämlichen Tage erfolgten Schluß des
Zollamtes in Wien noch die Abnahme der Kisten bei der Mauth und
die darnach erst mögliche Weiterbeförderung derselben vermittelt hat.
In dieser Beziehung sind die Auslassungen des in Ueberein-
stimmung beider Theile abgehörten Sachverständigen von entschei-
dender Wichtigkeit. Derselbe hat sich nun in einer Weise ausge-
sprochen, däß nicht angenommen werden kann, es beruhe, nach den
in Wien bestehenden Einrichtungen, in der Verpflichtung eines ordent-
lichen Kaufmanns, besondere Vorkehrungen zu treffen, auch ohne von
der Ausgabestation erfolgte Avistrung des Anlangens von Fracht-
stücken Nachricht über die Ankunft derselben durch seiner Seits zu
ermittelnde Erkundigungen zu erlangen.
Will man nun auch ferner noch zu Gunsten der Beklagten an-
nehmen, daß Kläger erst um 12 Uhr Mittags am 12. Juni 1862 in
Besitz des fraglichen Frachtbrief-Avisos gelangt sei; so wird man sich
doch an die, insoweit die Natur eines Zugeständnisses gegen Beklagte
annehmende Aeußerung derselben zu halten haben, daß, nachdem die
Kisten am gedachten Tage 5 Minuten vor 8 Uhr früh in Wien an-
gelangt, in den nächsten Stunden nach Ankunft des Zuges
der Kläger das Frachtbrief-Aviso erhalten habe. Wie die Aussagen
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