Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 1 (1863))

512 Zur Lehre über die Haftungsverbindlichkeit eines Spediteurs.

Eines liefern Eingehens auf diese Frage kann man sich, nach
der Ansicht der gegenwärtig erkennenden Instanz , um deswillen für
überhoben erachten, weil dem in Frage befangenen Anspruch der Um-
stand entgegensteht, daß dem Kläger ein von demselben zu vertretendes
Verschulden bei Besorgung des ihm von dem Beklagten übertragenen
Speditionsgeschäfts überhaupt nicht beigemessen werden kann.
In dieser Beziehung ist zunächst davon auszugehen, daß dem
Kläger eine Verpflichtung, sich vor dem Empfang des Aviso-Fracht-
briefes nach dem Eintreffen der zwei verspäteten Kisten bei der
Eisenbähnverwaltung oder den Zollbehörden zu Wien zu erkundigen,
nicht obgelegen hat, derselbe vielmehr, ohne sich den Vorwurf einer
Vernachlässigung seiner ihm, als Spediteur, treffenden Verpflich-
tungen auszusetzen, die Mittheilung von dem Eintreffen der zwei
rückständigen Kisten Seiten der betreffenden Bahnverwaltung ab-
warten konnte.
Eine derartige Verpflichtung des Klägers wird, wie bereits in
dem (vorigen) Bescheide richtig hervorgehoben worden ist, schon da-
durch völlig ausgeschlossen, daß Kläger, in Gemäßheit der ursprüng-
lichen Vertragsofferte, zu erwarten berechtigt war, daß Beklagte die
sämmtlichen durch ihn nach Triest zu spedirenden Waarenkisten auf
einmal und nicht in zwei getrennten Posten an ihn senden würden,
und daß daher bei dem Eintreffen der ersten 14 Kisten ihm ein
Aufschluß über den Grund des Außenbleibens der fehlenden zwei
Kisten von den Beklagten nicht ertheilt worden war, in vollständiger
Ungewißheit darüber versetzt sein mußte, ob und wenn diese letztge-
dachten Kisten ihm noch nachträglich zugesendet werden würden, oder
ob sich deren Versendung gänzlich erlediget habe.
Wollte man also zu Gunsten der Beklagten selbst davon aus-
gehen, daß, nach Inhalt des die ganze Sendung dem Kläger ankün-
digenden Avisbriefes, Letzterer bei Annahme der darin enthaltenen
Offerte, nach der Fassung des Briefes, sich zu einer ganz besonderen
Sorgfalt, hinsichtlich der Ausführung der ihm zur Effectuirung über-
tragenen Weiterbeförderung der 16 Kisten nach Triest, verpflichtet
hätte, so würde doch immerhin bezüglich der 2 jetzt fraglichen Kisten,
hinsichtlich welcher Beklagte selbst einseitig von jenem Avisbriefe ab-
gewichen sind, indem sie dieselben getrennt von den ersten 14 Kisten
und so an Klägern haben gelangen lassen, daß derselbe diese 2 Kisten

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