Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

508 Zur Lehre über die Haftungsverbindlichkeit eines Spediteurs.

weiter zu befördern, daß aber sodann, nach Bescheinigung dieses Um-
standes, dem Kläger oblag, darzuthun, daß er alle Sorgfalt aufge-
wendet habe, um dieselben an ihren Bestimmungsort gelangen zu
lassen.
Es ist hierbei zu gedenken, daß in dem vorliegenden Falle von
dem Kläger nicht die gewöhnliche, sondern die größte Sorgfalt ver-
wendet werden mußte, weil ihm eine solche bei Ertheilung des Auftrags
ausdrücklich zur Pflicht gemacht, und von ihm dieser Auftrag ohne
Vorbehalt angenommen worden ist.
In tatsächlicher Beziehung sind nun beide Theile darin einig,
daß die fraglichen 2 Kisten am 12. Juni in Wien eingetroffen sind,
und es haben Beklagte durch das Zeugniß der Direction der Kaiser-
Franz-Nordbahn zur Genüge bescheiniget, daß die Ankunft dieser
Kisten gedachten Tages früh 7 Uhr 56 Minuten erfolgt ist, wogegen
Kläger die von Beklagten nicht eingeräumte Behauptung aufgestellt
hat, daß er das Frachtbriefaviso erst Mittags um 12 Uhr er-
halten habe.
Ob aber nun Kläger vorpflichtet gewesen sei, ohne den Eingang
des Frachtbriefaviso abzuwarten, sich am Morgen des 12. Juni zu
erkundigen, ob diese Kisten angekommen seien, oder ob er den Eingang
dieses Aviso habe abwarten dürfen, darüber herrscht zwischen den Par-
theien Meinungsverschiedenheit.
Legt man der weiteren Beurtheilung zunächst die letztere, vom
Kläger vertheidigte und ihm unzweifelhaft günstigere Ansicht zu
Grunde, so ergiebt sich aus den Aussagen des abgehörten Sachver-
ständigen, daß auch in diesem Falle, wenn also Kläger auf die Zustel-
lung des Frachtbriefes warten durfte, und diese um 12 Uhr Mittags
erfolgte, die rechtzeitige Weiterbeförderung der beiden Kisten im Allge-
meinen noch immer möglich war. Der gedachte Sachverständige
spricht dabei zwar aus, daß dabei vorauszusetzen sei, daß das eigene
Personal des Spediteurs verfügbar und das um diese Stunde sehr in
Anspruch genommene Zollamtspersonal auch allsogleich zur Expedition
bereit sei, allein um deswillen läßt sich die rechtzeitige Weiterbeförde-
rung noch nicht als unmöglich bezeichnen.
Es kann fast überall Vorkommen, daß der Eintritt dessen, was
man für gewöhnlich als möglich erachtet, durch Zwischenfälle gehin-
dert wird, und es ist natürlich, daß bei der zu kurz bemessenen Zeit die

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