Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

Zur Lehre über die Haftungsverbindlichkeit eines Spediteurs. 507
lichen konnte, daß dieselben am 14. Juni in Triest eintrafen. Die
Folge war, daß diese 2 Kisten erst mit dem Lohd-Dampfer des
15. Juni von da abgingen.
Bei Gelegenheit einer Geschäftsabmachung decontirten nun
S. u. S. dem R. die Hälfte der ihnen selbst mit 34 Thlr. 10 Ngr. in
Anrechnung gebrachten Differenz zwischen Eil- und Frachtgut und
Zoll. R. ließ sich diesen Abzug nicht gefallen, sondern klagte auf Be-
zahlung des Saldo's von 17 Thlr. 5 Ngr. im Wege des Bagatellpro-
cesses. Die Beklagten schützten in dem Verhandlungstermine den
nur gedachten Schädenanspruch als Gegenforderung vor; und nach-
dem ein Zeugniß der Direction der Wiener Kaiser-Franz-Nordbahn,
sowie das Gutachten eines Wiener Sachverständigen, in dessen Wahl
beide Theile einverstanden waren, die Partheien auch mit Vorstellungen
eingekommen waren, erkannte
1. das Handelsgericht zu Dresden, am 18. März 1863,
daß die Beklagten von der Klage zu entbinden und loszuzählen, Kläger
auch die Proceßkosten zu erstatten schuldig sei, und fügte nachstehende
Gründe bei:
Es herrscht zwischen beiden Theilen Einverständniß darüber, daß
Beklagte dem Kläger, mittelst des am 9. Juni 1862 bei demselben
eingegangenen Briefs, die Weiterbeförderung von 16 Kisten mit baum-
wollenen Waaren von Wien nach Triest aufgetragen, demselben hierbei
die größte Eile und Sorgfalt zur Aufgabe gemacht, und insbesondere,
unter genauer Angabe der Gründe, welche diese Eile erheischen, mitge-
theilt haben, daß die Sendung bis 13. Juni in Triest eintreffen müsse;
es sind ferner beide Theile darin einig, daß Kläger diesen Auftrag
angenommen habe, und daß zwar 14 Kisten rechtzeitig weiter befördert,
die übrigen 2 aber erst am 14. Juni, und somit zu spät, von Wien
abgesendet worden seien.
Es messen nun die Beklagten die Schuld wegen dieser Ver-
spätigung dem Kläger bei, während dieser die Schuld den Beklagten
zuschiebt, behauptend, daß die zurückgebliebenen beiden Kisten ihm von
den Beklagten zu spät übersendet worden seien.
Bei Beantwortung der Frage, auf wessen Seite die Schuld zu
finden sei, ist man davon ausgegangen, daß den Beklagten oblag, nach-
zuweisen, daß sie die Kisten so zeitig zur Verfügung des Klägers ge-
bracht haben, daß es überhaupt noch möglich war, dieselben rechtzeitig

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