Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

Wer ist Kaufmann? Welche Handwerker sind Kaufleute? 473
der Umsatz und Absatz derselben ein wesentlicher, wenn nicht der
Hauptzweck seiner gewerblichen Thätigkeit ist.
3) Wenn die Materialien nicht je nach Bedarf oder nach den
gewordenen Bestellungen, sondern in längeren Zwischenräumen
oder durch Zeitkäufe angeschafft werden, so ist anzunehmen, daß der
Handwerker auf die Preisdifferenz habe specnliren wollen.
4) Wenn die Maaren in großen Parthien verkauft werden,
so steht zu vermuthen, daß deren Umsatz (also die Speculation)
neben der Bearbeitung als gleichstehender oder gar überwiegender
Factor im Gewerbsbetriebe erscheint.
5) In Dörfern oder kleinern Städten wird der Hand-
werksbetrieb selten mit gewerbsmäßiger Speculation verbunden sein.
In den Handels- und Verkehrs-Plätzen dagegen, und in
großen Städten, wo die Jndustrialisirung alle Gewerbe durch-
dringt, wo das Handwerk zahlreiche Consumentn in der Nähe findet,
und der Absatz in die Ferne über einen großen geographischen Bezirk
mit Leichtigkeit vermittelt wird — dort ist die Präsumtion für die
kaufmännische Natur des Handwerks.
6) Einen Maßstab liefert auch das Einkommen des Hand-
werkers aus seinem Gewerbsbetriebe, welches durch die Steuerbehör-
den leicht sestzustellen ist. Je größer es ist, je begründeter die Ver-
muthung, daß es nicht sowohl in reinem Arbeitslöhne, als viel-
mehr in dem Unternehmer-Gewinn, dem Ueberschusse aus den
speculativen Kauf- und Verkaufs-Geschäften, besteht.
7) Endlich dieäußere Form des Gewerbebetriebes.
Wenn der Handwerker kaufmännisch geführte Handelsbücher hat, wenn
er Darlehne auf kurze Zeit gegen Wechsel entnimmt, und sein Debet
durch Wechsel ausgleicht, wenn er seine Artikel durch Agenten oder
Reisende vertreibt, wenn er die Börse besucht u. s. w. — so wird man
ihn zu den Kaufleuten zählen müssen.
Ob nun der eine oder der andere dieser Punkte, deren sich wohl
noch mehrere arffzählen ließen, im concretem Falle entscheidend ist, ob
mehrere oder alle zusammen treffen müssen, — das wird nach den
localen und temporären Verhältnissen und nach der Eigenthümlichkeit
eines jeden Handwerks zu beurtheilen sein. Das ist quaestio facti,
die sich der weiteren rechtlichen Normirung entzieht. Ein Maschinen-
fabrikant z. B., der seine Dampfkessel und Locomotiven nur auf

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