Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

472 Wer ist Kaufmann? Welche Handwerker sind Kaufleute?
schmiede, Goldarbeiter, Uhrmacher, Instrumentenmacher, Klempner,
Vergolder, Posamentirer, Bürstenbinder, Kürschner, Schirmmacher,
Mützenmacher, Perrückenmacher, Hutmacher, Handschuhmacher, Korb-
flechter, Seifensieder, Töpfer. Hier ist also die Anschaffung des
Materials ein wesentliches und untrennbares Erforderniß des Hand-
werks, das ohne solche gar nicht betrieben werden könnte. Diese
Handwerker müssen kaufen, weil sie sonst nicht arbeiten können.
Das primum agens ihres ganzen Gewerbebetriebes ist nicht die
freie Spe culat ion, das Wagen und Gewinnen; sondern die
Arbeit, die formende und bildende Thätigkeit, das Wirken mit der
Hand. Wir verweisen hier auf das, was bei der I. Lesung über den
Bäcker, bei der II. Lesung unter No. 4 über den Schuhmacher
aus den Commissionsberathungen oben referirt ist. Bei allen diesen
Handwerkern rechtfertigt also der alleinige Umstand:
daß das Material, selbst in continuirlicher Fortsetzung, einge-
kauft werde,
noch nicht den Schluß, daß hierbei gewerbemäßig auf Gewinn speculirt
werde; denn nur das Handwerk, nicht die Einkäufe werden hier
gewerbsmäßig betrieben. Einen gelegentlich sich darbietenden Vor-
theil im Ein- und Verkauf wird natürlich Jeder benutzen. Die Ab-
sicht eines Jeden wird stets darauf gerichtet sein, möglichst billig ein-
zukaufen, und möglichst vortheilhaft, am liebsten über dem Einkaufs-
Preise, zu verkaufen. Dadurch wird er aber noch nicht zum Kauf-
mann, wie das Apell.-Gericht in Dresden, unseres Erachtens, irrig
annimmt (Archiv Seite 99): Zum Kaufmann wird er erst dann,
wenn die Speculation auf Gewinn als hauptsächlicher oder
gleichstehender Factor neben der Handarbeit auftritt.
Bei allen diesen Handwerkern werden wir uns also nach andern
Kriterien für die kaufmännische Natur ihres Gewerbes umsehen
müssen. (No. 2—7.)
2) Wer nur auf Bestellung arbeitet, wie der gewöhnliche
Schuhmacher, und nur zu den bestellten Arbeiten die Materialien ein-
kauft, der hat nur selten Gelegenheit, dabei zu speculiren. Umgekehrt
wer die von ihm gefertigten Maaren in großer Auswahl im offenen
Laden feil hält, oder auf Messen und Märkten verkauft, oder wer
sie gar in einem besonderen Waarenlager oder Niederlage
in großem Vorrath aufspeichert — der giebt dadurch zu erkennen, daß

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