Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

440 Zur Würdigung des allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuchs
in erheblichem Maaße erhöht wird, indem zu den sonstigen Eigen-
schaften der Güter eine neue hinzutritt, oder doch gesteigert wird, die
Zugänglichkeit (s. darüber Roscher a. a. O. S. 102.). Dies gilt eben-
sowohl in Ansehung der Zeit, als in Ansehung des Orts. Daß solche
Thätigkeit längst einem besonderen Berufsstande zugefallen ist, beruht
auf einer nothwendigen Arbeitstheilung. Mit der Entwickelung der
Geldwirthschaft, where every man becomes a merchant and the
society itself a commercial society (Ad. Smith, W. ,of n. I.
ch. 4.), geht die Ausbildung eines besonderen Handelsstandes gleichen
Schvtt. Der Kaufmann nun, indem er auf den Unterschied der Ge-
brauchswerthe hier und dort, heute und übers Jahr speculirt, ver-
mehrt damit, soweit die Speculation richtig und deßhalb lohnend, un-
zweifelhaft die Genüsse seiner Abnehmer. Seinem Selbstinteresse
folgend, bewirkt er gleichzeitig eine erhöhte Gleichmäßigkeit der Preise
und steigert die Schnelligkeit des Umlaufs der Maaren. Es dürfte
auf der Hand liegen, daß in dieser Procedur mehr, als eine bloße
Vermittelung, als die Einschiebung eines Zwischengliedes zwischen
Producenten und Consumenten zu finden ist. „Ebensogut könnte"
(bemerkt schlagend Roscher S. 103, Anm. 8.) „der Schuster ein Ver-
mittler zwischen Production und Consumtion des Leders heißen, oder
der Tuchhändler, welcher das Zeug vom Stücke schneidet, ein vor-
bereitender Gehülfe des Schneiders." Wenn jede Production erst in
dem Augenblicke vollendet ist, wo das Product für seinen letzten Zweck,
die Consumtion, reif geworden ist, so ist der Handel gleichsam das
Schlußglied in der Kette der productiven Arbeiten. Besonders in
die Augen fallende Seiten seiner Arbeit sind der Transport und die
Aufspeicherung seiner Güter. Zu diesen dienen dem Kaufmann sehr
ähnliche Anstalten und Werkzeuge, wie dem Fabrikanten; „was für
diesen etwa die Spinnräder, Webstühle, Werkstätten, das sind für
jenen die Schiffe, Speicher, Krahne" (Roscher S. 102.). Es zeigt
sich, besonders in neuester Zeit, eine Aehnlichkeit in der äußeren Be-
triebsarbeit sowohl, als in der Speculationsrichtung der früherhin
vorzugsweise so genannten Industrie-Zweige mit denen des Handels,
welche die Grenzen aufs Aeußerste verdunkelt hat. Man darf dies
nicht einseitig so auffassen, als wenn der Handel allein erobernd und
absorbirend hinübergriffe. Allerdings ist nicht zu läugnen, daß der-
selbe, wie Kuntze a. a. O. erkennt, nach Art des alten Feudalismus

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