Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

aus dem Königreiche Preußen.

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zählt. Hier liege aber eine entgegenstehende Willenserklärung der
Contrahenten vor, als welche in dem Durchstreichen des Wortes
„running" zu finden sei. Dies Durchstreichen negire nicht blos die
gesetzliche Zählung. Wenn man die Interpretations-Regel des Art.
278 zum Grunde lege, so werde dadurch auch der positive Gegen-
satz (Ausschluß der Sonntage) ausgedrückt, der schon im Gesetz aus-
gesprochen sei, und im Schisffahrtsverkehr durchaus feststehe.
Art. 607.
Unter dem Begriff „höhere Gew alt "(vis magor)
ist nicht jeder Zufall, sondern nur ein solcher zu Ver-
stehen, welcher in Folge einer von außen kommenden
Macht, also etwa einer Naturgewalt, eintritt.
Erk. v. Commerz- und Adm.-Collegium zu Königs-
berg am 20. Februar 1863 (Centr.-Org. Nr. 11 vom
14. März 1863.)
aus folgenden Gründen:
Ein Schiffscapitain hatte zwei Fässer Wein, und über den-
selben Eisenbahnschienen geladen. Als die Letzteren Behufs Löschung
aus dem Schiffsraum aufgewunden wurden, riß die Kette, die Schie-
nen fielen herab, und zerschmetterten eins der Fässer, so daß der darin
befindliche Wein ausfloß. Der Empfänger des Weins fordert vom
Capitain Ersatz des Werthes von Wein und Faß.
Das Collegium verurtheilte den Capitain, und erachtete seinen
Einwand,
daß er die Sorgfalt eines ordentlichen Frachtfüh-
rers angewendet habe, und trotzdem der Schaden einge-
treten sei,
für unerheblich. Die gemeinrechtlich strenge Haftung aus dem in-
ceptum liege in dem Mißtrauen gegen den Frachtführer, dessen
Thätigkeit und Sorgfalt zu controliren man kein Mittel habe. Er
übernehme das Gut mit der Zusage, es im unversehrten Zustande
wieder abzuliefern (rem salvam lore). Er hafte also für alle Er-
eignisse, denen menschliche Kräfte überhaupt zu widerstehen Ver-
möchten, z. B. auch für Diebstahl. Hiervon sei man man bei Be-
rathung des Handelsgesetzbuchs ausgegangen (Lutz, Prot. S. 794,
4690). Daß nun der Bruch der Kette durch höhere Gewalt
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. I. 3. Heft. 27

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