Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

368

Das kaufmännische Commissionsgeschäft

diligentia eines ordentlichen Kaufmannes ist auch die Bestimmung
des Art. 367 zu betrachten, wonach derselbe für den Verlust oder die
Beschädigung des in seinen Gewahrsam gelangten Gutes verantwort-
lich gemacht wird, falls ihm nicht der Nachweis gelingt, daß der Ver-
lust oder die Beschädigung durch Umstände herbeigeführt ist, welche
durch die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes nicht abgewendet
werden konnten.*) Der Art. 367 setzt nun allerdings den Commis-
sionär in die ungünstige Lage, im Falle der Beschädigung oder des
Verlustes der seinem Gewahrsam anvertrauten Commissionsartikel
sich von dem Verdacht der Vernachlässigung seiner Obliegenheiten
durch den Nachweis exculpiren zu müssen, daß er mit der erforder-
lichen Sorgfalt zu Werke gegangen sei; dieses onus theilt er aber mit
dem Mandatar. Denn da die Beweislast in Beziehung auf die culpa
davon abhängt, ob der Anspruch des Ersatzsordernden sie zu seinem
Grunde hat, oder sein Grund eine schon bestehende Obligatio ist, von
deren Wirkung der Gegner durch schuldlose-Unmöglichkeit der Leistung
befreit zu sein behauptet, so hat auch der gewöhnliche Mandatar die
Abwesenheit der von ihm zu prästirenden culpa zu beweisen. Es
könnte nun noch zweifelhaft sein, ob der Art. 367 nur den Verkaufs-
oder auch den Einkaufs-Commissionär im Auge hat. Der Artikel
schließt sich nemlich unmittelbar an diejenigen Vorschriften an,
welche die Verbindlichkeiten des Verkaufs-Commissionärs hinsichtlich
der ihm vom Committenten zu diesem Zwecke übermittelten Waaren
regeln, und man könnte daher leicht in den Glauben versetzt werden,
daß der Art. 367 nur bestimmt ist, die Pflichten des Verkaufs-Com-
missionärs nach Empfangnahme der Waaren festzustellen. Jndeß
läßt der Wortlaut dieser Gesetzesstelle eine Ausdehnung auf beide
Arten des Commissionsgeschäfts sehr wohl zu, und es ist nicht abzu-
sehen, warum der Einkaufs-Commissionär, der zwar in eigenem Na-
men, aber doch für Rechnung des Committenten kauft, also nach er-
folgter Uebergabe des Gutes dasselbe für diesen in seinem Gewahrsam
hat, nicht von demselben Gesichtspunkte aus betrachtet werden sollte.
*) Die Versicherung des Guts wird über dieser diligentia nicht mit ein-
begriffen, wodurch aber selbstverständlich nicht ausgeschlossen wird, daß dem Com-
missionär, falls die von ihm bewirkte Versicherung sich aus dem Gesichtspunkt der
Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns rechtfertigen läßt, die gezahlte Prämie
ersetzt wird.

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