Full text: Volume (Bd. 1 (1863))

300 Zur Lehre von der Solidarität der Gesellschafter.
an; und das Preußische Landrecht — 2. Th., Tit. 8, Art. 8 § 653.
fgg. sichet, wenn der Societäts-Contract nicht etwas Anderes be-
stimmt, jedes Mitglied der Gesellschaft, in Hinsicht der gemeinschaft-
lichen Angelegenheiten, als Factor an. —
Allen diesen Bestimmungen, welche sämmtlich unverkennbar mehr
oder weniger ohne den leitenden Grundgedanken einer Personen-Einheit
gar nicht gedacht werden können, lag, nach den in der Anmerkung S. 293
gegebenen historischen Nachweisungen, der Gedanke einer Firma sehr
fern, und bediente man sich auch zu allen jenen Zeiten schon derselben,
so machen sie doch insgesammt die Führung und Bekanntmachung einer
Firma nicht zur Bedingung der ausgesprochenen Haftverbindlichkeit.
Wohl bestand damals schon das Firmenwesen, aber noch keine Firmen-
ordnung, am Wenigsten ein Firmenzwang, weshalb auch hier überall
die Frage auftauchen muß, was war und ist da Rechtens, wo eine
Vereinigung Mehrerer zu irgend einem lucrativen Zweck bestand,
sich aber entweder gar nicht, oder noch nicht einer gemeinschaftlichen
Firma bediente? Da wird man nun freilich bald mit der Antwort
fertig sein, daß in solchem Falle das gemeine und weiter zurückgehend
das Römische Recht die erforderlichen Normen abgebe. Das aber
ist leider eine eben so richtige als unpraktische Antwort; und ich kann
es nicht oft genug wiederholen, wie inconsequent und sich selbst wider-
sprechend es ist, auf der einen Seite zu gestatten, daß Mehrere mit
. einem Dritten zu einem und demselben Zwecke ein gemeinschaftliches
Geschäft, nicht zu Quotalantheilen, sondern als ein untrennbares,
die ganze Societät, oder eigentlich deren gemeinschaftliche Existenz
bezweckendes Geschäft eingehen, aus der andern Seite aber sofort
nach Eingang dieses Societätsgeschäfts dasselbe in so viel Theile, als
Gesellschafter sind, zu spalten, und da, wo man eben eine Geschäfts-
Einheit angenommen hatte, eine Personen-Mehrheit zu statuiren.
Man wird mir erwidern, die Geschäfts-Einheit äußert sich nach
Außen, die Personen-Mehrheit nach Innen; oder mit andern Worten:
Wenn ein Geschäft mit einem Dritten gemacht worden, und dasselbe
nun mit seinen Folgen in den innern Wirkungskreis der Societät
übergegangen ist; dann kommt es darauf an, welchen Nutzen ein
Jeder der Gesellschaft von diesem Geschäfte hat. Hier kann aller-
dings und aus leichten, greiflichen Gründen, nur von Quotal-Ver-
hältnissen, und in dem eben angegebenen Beispiele davon, daß von I.

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