Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 1 (1863))

Nachtrag.

157

gegenüber Bestimmungen zu treffen, welche das Vertretungs-
recht einzelner Gesellschafter ausschließen, nur ist die Wirksamkeit
derselben an die Voraussetzung geknüpft, daß der Dritte dieses Ver-
hältniß gekannt habe. Und wenn von der verehrlichen Redaction des
Centralorgans zugegeben werden muß, daß einer oder einige der
Gesellschafter von der Vertretung ausgeschlossen werden können, so
muß dieses auch in Bezug aus alle zulässig sein, weil das, was bei
dem einen Socius zulässig ist, auch bei dem andern zulässig sein muß.
2) Ebensowenig ist der von Lesse vertheidigte Satz: „die Socii
bleiben nach wie vor die Träger der Rechte und Verbindlichkeiten der
Gesellschaft," widerlegt worden; denn wie auch das Handelsgesetzbuch
die Verbindlichkeiten der Gesellschafter nach Außen hin regulirt
haben möge, so sind die Socii immer die Träger dieser Verbindlich-
keiten in der von dem Handelsgesetzbuche regulirten Weise, d. h. sie
haften solidarisch, auch wenn sie von der Vertretung der Gesellschaft
ausgeschlossen sind.
Der weitere Einwand, daß, wenn die Gesellschaft nur von einem
Procuristen vertreten werde, der Fall eintreten könne, daß sie bisweilen
eine Zeit lang, z. E. beim Tode desselben, unvertreten sein könne, ist zwar
allerdings ein Bedenken, das sich die Socii machen mögen, welche ihre
gegenseitige Vertretung auszuschließen gesonnen sind; aber durchaus kein
Grund für die Unzulässigkeit einer solchen Einigung. Eine Zeitlang un-
vertreten ist auch das Einzelgeschäft, dessen Eigenthümer mit Tode
abgeht, ohne daß er einen Procuristen oder Handlungsbevollmächtigten
hat, — ist nicht minder die offene Gesellschaft, deren geschäftsfüh-
rende Mitglieder alle bis zur Besinnungslosigkeit erkranken oder gar
sterben, während ihr Procurist das Geschäft weiter versieht. Jener
Grund ist schon darum verwerflich, weil er mehr beweist, als er be-
weisen soll, mit andern Worten, weil er das Institut der Procura
überhaupt als verwerflich darstellen würde, während es gerade darin
seinen Grund und seine Stütze findet, daß es Verlegenheiten jener
Art Vorbeugen soll und vorbeugt.
Kann aber — was nicht zu bezweifeln ist — eine offene Gesell-
schaft, ohne daß ein geschäftführender Socius vorhanden ist, über-
haupt fortbestehen, so kann auch ihre Entstehung nicht an das
Dasein solcher Gesellschafter gebunden sein.
3) Am entschiedensten muß der Annahme entgegen getreten

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer