Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 1 (1863))

XI. Handelsrechtliche Entscheidungen.

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für das Handelsgericht zu Leipzig geltenden Bestimmungen ß. H
und III die Leipziger Handelsgerichtsordnung vom 21. December
1082 ihre Erledigung finden, welche Wendung weniger darauf hinzu-
deuten scheint, daß dieselben, wegen materieller Abänderung, außer
Wirksamkeit zu treten haben, als darauf, daß sie nur, durch die neuer-
lichen — gleichartigen — Vorschriften ersetzt und verüberslüssiAet,
ihre formelle Kraft verlieren müssen.
5.
Ueber den Begriff von Handelsgebräuchen, Gewohnheitsrecht und
Handelsüsancen.
In dem Aussatze unter Nr. IV pag. 14 habe ich über den Be-
griff und die Gültigkeit der Handelsgebräuche nach dem allgemeinen
deutschen Handelsgesetzbuche gesprochen, und hervorgehoben, daß es
sehr wünschenswerth gewesen wäre, daß der Begriff von Handels-
gebräuchen genauer bestimmt worden sei, als es geschehen ist; denn
daß man über den Begriff dieses Wortes nicht recht ins Klare gekom-
men ist, das geht schon aus den verschiedenen Vorschlägen hervor, die
zum Behuf der Wahl und Substituirung eines andern Ausdrucks
gemacht, aber sämmtlich verworfen worden sind. Auch hat meine
Schlußbemerkung pag. 22 oben bereits dadurch ihre Bestätigung er-
halten, daß Andere nach den Commissionsprotocollen den Begriff von
Handelsgebräuchen in weiterm Sinn auffassen, als Or. von Hahn.
Zum Beweise dessen berufe ich mich aufOr. W. Auerbachs handels-
rechtliche Erörterungen S. 54 (siehe unter XII. Nr. 5), wo es heißt:
„Selbst jenem seinem Nebenfactor (den Handelsgebräuchen) be-
läßt dasselbe (das Handelsgesetzbuch) ein Gebiet der Herrschaft. Und
zwar bedingt es hierfür nicht einmal die strengen Voraussetzungen,
an welche eigentliches Gewohnheitsrecht geknüpft ist. Schon den
bloßen Handelsgebräuchen, dem factisch Gewöhnlichen, lange Zeit von
dem Handelsstande, wenn auch nur dem des betreffenden Ortes, z. E.
des Erfüllungsortes (Art. 324) in gleicher Weise Beobachteten, wenn
dabei auch nicht alles sonst hinsichtlich des Gewohnheitsrechtes Er-
forderliche hinzutritt, wird rechtbildende Kraft zuerkanvt (Art.
1 und Prot. S. 10—14, 884), selbstverständlich unter der Voraus-
setzung, daß jene Gebräuche nichts Gesetz- oder Vernunftwidriges

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