Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

Nachtrag zu der vorhergehenden Nummer.

IS
worden sind, während dadurch alle übrigen Beschränkungen des Ver-
kehrs fielen, so kann dieß nur im öffentlichen Interesse ge-
schehen sein.
Ich will nicht darauf Hinweisen, wie dieß mehrere Gutachten
der Amtsgerichte thun, daß eine Reihe von Bestimmungen des Han-
delsgesetzbuches, wie über Procuristen, Gesellschafter u. dgl. für das
Apothekergewerbe nicht anwendbar seien. Denn auch bei einzelnen
Arten des Handels und der ihm dienenden Gewerbe kommt solches
eben sactisch nicht vor. Aber eine Bestimmung des Gesetzes scheint
mir schlagend zu sein.
Nach Art. 49 des Einführungsgesetzes zum deutschen H.-G.-B.
ist der X. Titel des Anhangs zum Landrechte für verbindlich erklärt.
Nun wird nach S. 209 des L.-R. A's der zahlungsunvermögend er-
klärte Gemeinschuldner der Verwaltung seines ganzen Vermögens für
verlustig erklärt und nach S. 217 versichert sich die Gerichtsbehörde
der Person des Schuldners durch Verhaftung und des Vermö-
gens durch Versiegelung.
Damit steht der Betrieb einer Apotheke, wenn man den Apotheker
für einen Kaufmann erklärt, still. Wird eine Behörde, wenn die
Apotheke die einzige in einer abgelegenen Gegend ist, dieß dulden,
oder wird sie nicht sofort die Freilassung des Apothekers, bis für eine
Aushilfe gesorgt ist, und den Fortbetreib der Apotheke, wenn auch
unter Ueberwachung der Person und des Geschäftes und zu Gunsten
der Gläubiger anordnen? Dieß kann nur im öffentlichen
Interesse geschehen und wird bei keinem Privatunternehmen Vor-
kommen.
Allein auch unser Strafgesetzbuch im XXXVII. Titel zählt die
Apotheker zu den Personen, welche zur Ausübung eines Zweigs der
Heilkunde öffentlich ermächtigt sind und nennt ihren Beruf, wie bereits
erwähnt, eine „Kunst" (§ 541 u. flg.). *)

*) Der Apotheker ist in der That eigentlich ein Diener oder Gehilfe des
Arztes. Er vollzieht dessen Verordnungen; dadurch wirkt er zur Heilung des
Kranken mit. Wenn der Arzt die von ihm für dienlich erachteten Arzneien selbst
bereitete und darreichte, wie der Homöopath thut, würde er den Heilberuf allein
ausüben, ohne in den Handel einzugreifen. Indem er einen Theil dem Apotheker
abtritt, theilt er die Ausübung des Heilberufs mit ihm. Beide üben zusammen
einen im öffentlichen Interesse geordneten Beruf aus. —

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