Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

Literarische Umschau.

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Zweifeln führt. Mit einem Ausfall gegen vermeintliche romanisirende
Constructionen hält er es für genügend, auf den Willen der Betheiligten
und die Analogie der Ordre- und Jnhaberpapiere hinzuweisen (S. 747).
Die Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs sind aber noch bei Weitem
nicht so in das allgemeine Bewußtsein übergegangen, daß man annehmen
dürfte, wo die Betheiligten nichts Abweichendes festgesetzt, hätten sie ge-
rade jene Naturalien im Auge gehabt. Erst kürzlich ist dem Unterzeich-
neten ein Fall vorgekommen, in welchem sich die Verwaltung einer
Staats-Eisenbahn über die Bedeutung der einschlagenden Art. 405. 406
des H.-G.-B. entschieden im Irrthum befand. Namentlich gibt auch
die Begrenzung des Rechts des Absenders zu abweichenden Dispositionen
durch die Klaganstellung*) zu Zweifeln Anlaß, welche von dem Vers,
gar nicht berührt werden. Daß der Vers. Eisenbahnen und Tele-
graphen nur sehr aphoristisch behandelt, wollen wir nicht rügen. Nur
hätten wir gewünscht, daß Vers, sich über die Zulässigkeit der in den
Reglements durchgehends vorkommenden Umgehung der in Art. 407
H.-G.-B. verordneten Mitwirkung des Gerichts noch ausgesprochen hätte.
— Sehr dankenswerth ist die ausführliche und gediegene Behandlung
der Mäkler, Commissionäre und Spediteure, von denen aber
eigentlich nur die Mäkler unter „die Vermittelung von Handelsge-
schäften" fallen. Geschäftsabschlüsse der Mäkler in eigenem Namen,
welche Vers, mit Recht für vollkommen gültig hält (S. 781, Note 8),
kommen häufig vor. Es wird dazu sogar ungeachtet des disciplinarischen
Verbots zuweilen ein besonderes Formular (Sie kauften „durch" mich
d. h. durch mich als Stellvertreter eines unbekannten Dritten in eigenem
Namen) gebraucht. In der Speditionslehre haben wir uns gefreut, häufig
der Zustimmung des Vers, zu unseren Ausführungen über diesen Gegen-
stand**) zu begegnen. Nur in Ansehung des activen und passiven Klage-
rechts der Betheiligten wegen Herausgabe, beziehungsweise Ersatz des
Guts ist Vers, abweichender Ansicht. Er will (jedoch ohne nähere Be-
gründung) schlechthin die Analogie des Frachtführers gelten lassen.
(S. 811). U. E. sind die Art. 401. 405 des H.-G.-B. auf den gewöhn-
lichen Spediteur nicht anwendbar. — Aus der Lehre vom Verlags-
vertrage ist besonders interessant die Erörterung über das Rechtsver-
hältniß der Sortimentsbuchhändler, welches gewöhnlich für Commission
gehalten wird (S. 819). — Den Schluß des ganzen Werkes machen im
Abschnitt 6 die Versicherungsgeschäfte aus. Bei dem Ausschlüsse
des Seerechts war diese Aufgabe eine mißliche. Indessen hat der Vers,
dieselbe unter sorgfältiger Benutzung der keineswegs ergiebigen Literatur
in gediegener Weise gelöst. Nur da, wo hier die Rechtstheorie des Werth-

*) Die „Uebergabe" allein (wie Vers. S. 745. 737 anzunehmen scheint) ist nicht
entscheidend.
**) Archiv für H.-R., II, S. 447 flg.

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