Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 7 (1866))

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Literarische Umschau.

menstellung der Zahlung mit der Anweisung, der Delegation, dem Cre-
ditbrief und anderen Geschäften in dem Abschnitt 3 „Geldgeschäfte"
haben wir uns bereits oben ausgesprochen. Es ist nicht abzusehen, weß-
halb das Geld hier eine ganz besondere, von der beim Kauf u. a. völlig
verschiedene Rolle spielt. Die Zahlung, welche Vers., freilich in seinem
weiteren Sinne, als Typus der Geldgeschäfte faßt, ist überhaupt keine
handelsrechtliche Lehre, wenngleich sie nicht ohne Beziehungen zum Han-
delsrecht ist. Für entschieden irrig halten wir es, wenn der Vers., von
jener Stellung der Zahlung ausgehend, nicht blos die Zahlung mittelst
Papiergeld, sondern auch die sogenannten indirecten Zahlungen überall
mit der Baarzahlung parallelisirt. Gerade diese reicher entwickelten
Formen gehören überwiegend dem Handelsverkehr an und haben ihre
eigenen Gesetze. In der Lehre von der Anweisung wäre eine nähere
Berücksichtigung der neuesten Literatur zu wünschen gewesen.*) — Einen
fast noch bunteren Eindruck als die „Geldgeschäfte" machen die Credit-
ge sch äste in Abschnitt 4, welcher außer dem Darlehn im weitesten Sinne
(s. oben) dessen angebliches Correlat (welches in keinem wesentlichen
Punkte abweichen soll), das Depositengeschäft, den offenen Credit, das
Contocorrent-Verhältniß und unter der Rubrik „Sicherung und Ver-
mittelung des Credits" die Verpfändung, Bürgschaft, die Empfehlung
und den Credit-Auftrag behandelt. — Unter dem Gesichtspunkt des
Arbeitsgeschäfts folgen sodann im 5. Abschnitt die Be- und Ver-
arbeitung von Sachen, das Transportgeschäft, einschließlich der Geschäfte
der Posten, Eisenbahnen und Telegraphen-Anstalten, die Geschäfte der
Mäkler, Commissionäre und Spediteure, sowie endlich das Verlags-
Geschäft. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Geschäfte durch den gemein-
samen Begriff der selbstständigen Arbeitsleistung nicht im Dienste des
Arbeitsgebers stehender Personen zusammengefaßt werden können.
Dennoch zeigen sie innerlich nicht viel Gleichartiges, so daß die Anwend-
barkeit der vom Vers, größtentheils aus den gemeinrechtlichen Quellen
abgeleiteten „allgemeinen Grundsätze" problematisch bleibt. Jedenfalls
bilden das Frachtgeschäft und die Commission mit ihrer Unterart, der
Spedition, eine engere Gruppe, bei welcher die durch das Geschäft her-
vorgerufenen Beziehungen zu Dritten von gesteigerter Wichtigkeit
sind. Der ganze Abschnitt ist geeignet, mehr die Vorzüge als die Schat-
tenseiten der Richtung und Methode des Verfassers ans Licht treten zu
lassen. Indessen zeigt sich doch zuweilen seine Nachgiebigkeit gegen an-
gebliche Bedürfnisse des Verkehrs auf Kosten der juristischen Consequenz.
So billigt er rückhaltslos das dem Destinatär des Frachtguts einge-
räumte singuläre Klagrecht, welches in der Praxis zu fortwährenden

*) Das Werk von v. Salpins Novation u. Deleg. nach römischem R., 1864,
welches eine durchgreifende Revision der bisherigen Theorie jener Institute in Ver-
bindung mit der Anweisung unternimmt, ist S. 654 nur citirt.

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