Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

Literarische Umschau.

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wendet sich der Verfasser nach kurzer Beleuchtung des Tauschvertrages zu
dem Kaufverträge. Von der ungemessenen Ausdehnung dieses Begriffs,
welche mit der Ansicht des Vers, von der Bedeutung des Werthes zu-
sammenhängt, ist bereits oben die Rede gewesen. Im Uebrigen ist die
Darstellung des Vers., wiewohl dieselbe die neuesten monographischen
Erörterungen dieser Rechtsmaterie noch nicht benutzt hat, eine werth-
volle, vielleicht die werthvollste Probe aller genannten Vorzüge seines
Werks. Aus dem reichen Inhalt, der an Umfang dem jener Mono-
graphieen kaum nachsteht, sind nur einige Punkte'hervorzuheben: Den
bedeutungsvollen Unterschied zwischen Platz- und Distancehandel faßt
Vers, in dem von uns*) vertheidigten Sinne (S. 503 ff.). Daß bei
dem Kaufgeschäft ein sich daran anschließender Transport vorkommt,
ist für sich allein nicht entscheidend. Das Criterium des Platzgeschäfts
ist der Abschluß inter prnesentes, wobei regelmäßig die Waare vor-
liegt. Ist dieß nicht der Fall, können Abweichungen eintreten. Auch in
Ansehung des Einflusses späterer Dispositionen des Käufers auf das
Preisminderungs-Recht ist Vers, der richtigen Meinung (S. 577).
Ebenso hat er den in dieselbe Controverse hineinspielenden, vorzugsweise
aber für den Uebergang der Gefahr wichtigen Begriff der Ausschei-
dung scharf und treffend (nach Th öl) bestimmt (S. 530 ff., s. besonders
Note 21). Etwas unsicher ist er in Betreff der Beweislast über Em-
pfangbarkeit der Waare. Im Ganzen weist er dieselbe vor dem Empfang
dem Verkäufer, nachher dem Käufer zu, jedoch vorbehaltlich concreter
Untersuchung (S. 567. 573). Auch über die streitige Frage bezüglich
der Beweislast beim Verkauf nach Probe**) spricht er sich nicht recht
bestimmt aus (S. 582), eine Folge seiner durchgehenden Abneigung
gegen allgemeine Sätze, die er zuweilen despectirlich als „Feststellungen"
perhorrescirt. Nicht einverstanden sind wir mit dem Vers, in Betreff der
Frage nach der Persection des Versteigerungs-Kaufs. Es ist u. E. in-
consequent, wenn er die Persection erst mit dem Momente des Zuschlags
eintreten läßt und doch den Versteigerer in der Regel mit abgegebenem
Gebot für gebunden erklärt. In Ermangelung der ausdrücklichen An-
kündigung, daß der beste Bieter den Zuschlag erhalten solle, können wir
jedes Gebot nur als Offerte ansehen.***) Ueber den Werth der Zusam-

eine Leistung in Sachen besteht. Ist dieß eine Waare, so heißt das Geschäft Waaren-
geschäft. Da es nun aber im Handel angeblich nicht ans die Sache, sondern auf den
Werth ankommt, so soll sich das Waarengeschäft „geradezu zum Werthgeschäft erweitern,"
d. h. zum Differenzgeschäft werden (S. 491).
*) Archiv für H.-R., Bd. 3, S. 307 ff.
**) Centralorgan, N. F., Bd. 1, S. 215 ff.
***) Dieß haben wir bereits näher ausgeführt — Archiv, Bd. 4, S. 268 ff. — Ob
es der ausdrücklichen Ankündigung gleichsteht, — was Unger meint (Jahrb. f. Dog-
matik, Bd. 8, S. 134 flg.) — wenn die Sache mit Aufrufs preis (Minimum) ver-
steigert wird, ist zweifelhaft. — Gegen die Perfektion mit dem Meistgebot tritt auch
IHering auf (gegen Kindervater) — vgl. ebdas. Bd. 7, Nr. 1. 4. 7. 8.

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