Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 7 (1866))

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Literarische Umschau.

In dem ersten Abschnitt des dritten Buchs „Allgemeine Grund-
sätze" wird für die einzelnen Geschäfte des Handelsverkehrs eine ange-
messene Grundlage gewonnen. Es werden die allgemeinen Fragen von
der Auslegung, den Vorstufen der Willenseinigung, und von dieser selbst
in ihren allgemeinen Elementen, sowie von den Wirkungen des Vertrages
in mehr oder minder umfassender Weise erörtert, jenachdem das Handels-
recht sich in größerem oder geringerem Maße hier schöpferisch erwiesen
hat. Aus der Lehre von Punctationen und Tractaten (S. 440)
müssen wir hervorheben, daß Vers, den Zeitpunkt der Perfection zu früh
anzunehmen scheint. So lange noch Nebenbestimmungen Vorbehalten sind,
ist u. E. der Vertrag überhaupt nicht perfect. Bei den präpara-
torischen Verträgen vermissen wir eine Aeußerung darüber, inwiefern
dieselben auch bei zweiseitigen Verträgen, insonderheit beim Kauf, denk-
bar sind.*) Treffend ist u. E. für den Handel die Vermuthung der
Entgeltlichkeit aufgestellt (S. 451) und mit Glück auf die Frage nach
der Preisbestimmung beim Kauf angewendet (S. 516 ff.).**)
Daß der Grundsatz aber auch auf die Mi et he paßt, wie Verf. nach
L. 2, loc. D. 19, 2 annimmt (S. 607, Note 4), können wir nicht zu-
geben.***) In der Lehre von der Form der Handelsgeschäfte ist
der insonderheit für das preuß. Recht streitige Einfluß mündlicher Neben-
abreden ungenügend behandelt. Der Satz des Verf.: „Neben gesetzlich
gebotener Schriftlichkeit haben mündliche Nebenabreden keine Bedeutung"
(S. 468) ist in seiner Bedeutung nicht klar, und wenn er sagen will,
daß sie schlechterdings nicht zu beachten, nicht zuzugeben. Den Abschluß
des Vertrages mittelst telegraphischer Correspondenz hält Verf. mit
Recht für keinen schriftlichen Vertrag (S. 470). Einen würdigen Schluß-
stein dieses allgemeinen Theils bildet die Lehre von der Erfüllung,
welche in besonderem Grade zeigt, wie sich der Verf. die Resultate der
gemeinrechtlichen Forschungen zu eigen gemacht hat und zu verarbeiten
versteht. Unter der Rubrik „besondere Sicherung der Erfüllung"
hat Verf. auch das nach Handelsrecht in ausgedehntem Maße anwend-
bare Retentionsrecht und das schwierige Institut der Conventional-
strafe beifallswürdig erörtert. Warum aber die cassatorische Clausel,
welche für den Handelsverkehr von keiner geringeren Bedeutung ist,ff)
und die lex oomwissoriu ausgeschlossen geblieben sind, ist nicht erfind-
lich. —
In dem 2. Abschnitt von Sachen- und Waarengeschäften"^)

*) Vgl. v. Holzschuh er a. a. O., Bd. 3, S. 270.
**) Verf. geht jedoch u. E zu weit, das Nähere s. in meiner Abh. „Kauf ohne
Preisabrede" im Centralorgan, N. F., Bd. 1, S. 22 ff.
***) S. m. Aufs. „Miethe ohne Zinsabrede", Archiv für H.-R., Bd.5, S.205.
-j) S. Holzschuher a. a.O., S. 242 u. meinen Aufsatz über caff. Clausel» in
der Preuß. AnwaltSzeiiung, IV. Jahrg. Nr. 51.
-j-j-) Sachengeschäfte sollen diejenigen Handelsgeschäfte sein, bei denen wenigstens

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