Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 7 (1866))

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Literärische Umschau.

Name ohne Individualität. Der Vers, erkennt selbst an, daß, wenn die
Creditgewähr sich findet, „das Creditiren irgend einer schon aus anderem
Grunde bestehenden Schuld von dem Creditiren einer durch darlehns-
weise Numeration geschaffen werdenden Schuld nicht verschieden" sei
(S. 673, Note 10). Es bedarf kaum der Bemerkung, daß diese Auf-
fassung dem bestehenden Recht und der Rechtslehre, welche entschieden an
der Individualität des Darlehnsvertrages festhält, zuwider ist.*) Der
Begriff „Werthgebrauch," „Creditgewähr" bietet nur den äußerlichen
Umriß des Inhalts der auf Credit-Gewährung abzielenden Verträge,
deren Kategorien sich durch den Verkehr selbst immer schärfer herausge-
bildet haben. Die Theorie des Vers, führt zur Generalisirung der ab-
stracten „General-Obligation;" diese existirt aber bis jetzt erst in verein-
zelten Formen, zu denen wir weder das Inhaber-Papier (S. 423)**),
noch das Contocorrent-Verhältniß (S. 690)***) mit dem Vers,
rechnen können. Der circulirende Wechsel, das Anweisungs-Accept und
der in Umlauf gesetzte kaufmännische Verpstichtungsschein, (Ärt.301—303
d. H.-G. B.) bieten Formen genug für diejenige Richtung des Verkehrs,
welche der Schärfe der Verpflichtung, sowie der Leichtigkeit des Umlaufs
und der Realisirung die materielle Wahrheit aufzuopfern geneigt ist.
Jedenfalls bilden sie vom Standpunkte des bestehenden Rechts die Aus-
nahme, auf welche sich kein System des Obligationenrechts, und sei es
auch nur auf dem Gebiete des Handelsrechts, erbauen läßt. Wir wollen
dem Vers, hier nicht weiter auf diesem Wege folgen; die angeführten Bei-
spiele werden genügen, zu zeigen, wie die ökonomisirende Richtung des
Verfassers, seine Auffassung von der Bedeutung des Werthbegriffs im
Rechtssystem zur völligen Auflösung auch des Obligationenrechts führt.
Es sei nur noch bemerkt, daß dieß ebenso von der Schuldlösung, als von
der Schuldbegründung gilt. Vers, nimmt auch dort einen Fortschritt von

*) Vgl. Puchta a. a. O. Arndts Pand., tz 280. Holzschuher, Theorie und
Casuistik. III, S. 444 ff., besonders S. 450. — ek. L. 34 pr. D. 17 ff. Es ist nicht
möglich, aus einer anderen Schuld durch bloßes Reden ein Darlehn ru machen. Das
preuß. Recht enthält diesen Satz ausdrücklich — § 866. 867, I, 11 allg. L.-R. — und
verlangt für das Darlehn Tradition von Fungibilien — § 653. 853 ibid. —
**) Aehnlich Hoffmann, Unger, Kuntze, Becker, neuerdings auch eine von
uns D. Ger.-Zeit. 1865 Nr. 47 besprochene Jnaug.-Diff. Indessen findet eine solche
Ablösung der Verpflichtung aus dem Inhaber-Papier von dem materiellen Schuld-
grunde weder in der Absicht der Contrahenten, welche sich in dem Inhalt des Papiers
kundgibt, noch in dem positiven Recht hinlängliche Unterstützung.
***) Der Vers, will die Einzelposten ihre selbstständige Existenz als Forderungen
völlig einbüßen lassen und findet hierin ,,den vollendetsten Ausdruck einmal dafür, daß
sie nichts als Werthe sind und sodann für die Fungibilität des Werths." Wir können
den Vordersatz nicht zugeben. Erst die Anerkennung des Saldo kann das Zurückgehen
auf die einzelnen Schuldgründe ersparen. Dieß ist aber ein neues Rechtsgeschäft, (s. auch
Creizenach in Goldschmidt, Zeitschr. f. H.-R., Vd. 7, S. 100ff). Daß die Ab-
rechnung keineswegs nothwendig diese Wirkung unter allen Umständen hat — was wir
bereits Archiv Bd. 4. S. 481 ff. ausgesührt — nimmt auch Vers, an (S. 694, Note 25).

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