Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

446 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.

daß die in dem gedachten Artikel gebrauchten Worte „gemäß der Voll-
macht" nicht allein von der wirklichen, sondern auch von der
vermutheten Vollmacht des Handlungsbevollmächtigten zu ver-
stehen seien. Hiernächst bedarf es dafür, daß der Hauptcassirer der
Beklagten zur Empfangnahme aller an die Compagnie der Leipzig-
Dresdner-Eisenbahn zu machenden Zahlungen für ermächtigt anzu-
sehen sei, keines besonderen Beweises, auch ist in dieser Beziehung
irgend ein Zweifel von den Beklagten nicht angeregt worden. In-
dessen macht sich für den vorliegenden Fall noch eine genauere Fest-
stellung der aus dieser Ermächtigung resultirenden Consequenzen
nöthig.
Der Cassirer eines Handlungsgeschäftes ist, wie schon der
Name an die Hand gibt, mit Führung des Cassengeschäfte be-
auftragt. Seine Thätigkeit nach außen besteht also in Veraus-
gabung und Vereinnahmung der für den. Principal zu zahlenden,
resp. zu erhebenden Gelder. Schon hieraus ergibt sich, daß das ihm
angewiesene Feld nicht sowohl im Abschließen von Verträgen oder
eigenem Eingehen neuer Rechtsgeschäfte, als vielmehr nur in dem
Ab wickeln der von dem Principal, beziehentlich anderen Vertretern
desselben, eingegangenen Geschäfte und deren th atsäch licher Rea-
lisirung zu suchen ist. Die fragliche Unterscheidung wird umso
mehr festzuhalten sein, je größer das Etablissement ist, in welchem
der Cassirer bestellt worden. Denn mit dem Umfange des Handels-
geschäftes wächst bekanntlich die Theilung der Arbeit unter die ver-
schiedenen für dasselbe thätigen Personen.
Vergl. von Hahn, Commentar, S. 131, Anm. 3.
Wer von einer Bank einen Wechsel discontiren will, weiß zwar
im Voraus, daß, falls der Discont ihm verwilligt wird, er das Geld
durch den Cassirer erhalten werde; er weiß aber ebenso gut, daß dieser
Cassirer nicht eher, als wenn zuvor von dem Director, beziehentlich
dessen Vertreter, die Discontirung genehmigt worden, die Zahlung
an ihn bewirke.
Vergl. überhaupt Bender, Handelsrecht, Bd. 1, § 51.
Daß Gleiches auch bei einer Unternehmung von der Größe und
dem Umfange der Leipzig-Dresdner-Eisenbahn-Compagnie zu gelten
habe, versteht sich von selbst. Ueberdieß ergeben die durch Ges.- und
Verordn.-Bl. vom Jahre J 837, S. 26 fg. publicirten Statuten der

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