Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 7 (1866))

430 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.
in der Regel persönlich nicht nach außen zu verkehren haben) Erwäh-
nung gethan. Allein zuvörderst folgt aus dieser Exemplificirung
nicht, daß alle auf einem Comptoir placirten Diener schlechterdings
und ausschließlich jener Kategorie angehören müssen. Hiernächst
sollen diese Motive nur erklären, weßhalb es bedenklich falle, in dem
Gesetze dem in Art. 58 ausgesprochenen Satze eine allgemeinere Fas-
sung zu geben, und namentlich die betreffende Präsumtion auf alle in
den Handlungslocalitäten des Principals angestellten Handlungsge-
hülfen ohne Unterschied auszudehnen. Damit ist aber keineswegs
die Absicht ausgesprochen, daß bei den Gehülfen, die in anderen Räu-
men als in einem Laden, Magazin oder Waarenlager fungiren, na-
mentlich bei den in einem Comptoir placirten, niemals Fälle eintreten
könnten, in welchen eine solche Ermächtigung anzunehmen sei, sondern
nur der Grund angegeben worden, weßhalb bei Gehülfen der letzteren
Art eine specielle Präsumtion, wie die in Art.' 58 bezeichnete, in dem
Gesetze nicht angestellt werden könne. Ein Principal, der zugegen ist
und ohne Widerspruch es mit ansieht, wenn ein in seinem Comptoir
beschäftigter Copist in diesem Comptoir eine Handlungsforderung
eincassirt und quittirt, wird auch noch dermalen nach den in unver-
minderter Geltung befindlichen Regeln der
L. 6. § 2, L. 18. u. 53. D. mandati vel contra (17, 1.)
L. 16. D. de S. C. Maced. (14, 6.)
L. 60. D. de reg. jur. (50,17.)
diese Quittung gegen sich anerkennen müssen. Es macht aber recht-
lich keinen Unterschied, ob die Anwesenheit des Principals oder an-
dere factische Verhältnisse die Unterlagen bilden, auf welche die Fol-
gerung eines von dem Principale ertheilten Mandates von dem
dritten Contrahenten gebaut werden darf.
Wollte man aber selbst dieser Auffassung der angezogenen Mo-
tiven beizupflichten Bedenken tragen, auch davon absehen, daß die
letzteren zwar ein wichtiges, aber doch nur ein mit großer Vorsicht
zu benutzendes Mittel für die Interpretation des Handelsgesetzbuchs
bieten,
zu vergl. v. Hahn 1. c. Einleitung § 16, namentlich not. 85.
und jener Entwurf insonderheit in der Lehre von dem kaufmännischen
Hülfspersonal wesentlich von den in das Gesetz anfgenommenen Be-
stimmungen abweicht,

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