Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

Nachtrag zu der vorhergehenden Nummer.

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und Beruf festhalten, und einen durch eine wissenschaftliche oder
künstlerische Bildung bedingten und in der Anwendung wissenschaft-
licher Kenntnisse unter steter Benützung der aus den theoretischen
Forschungen genommenen Erfahrungen der Wissenschaft ausgeübt
werdenden Beruf dem Gew erb e entziehen, dann übt sicherlich der
Apotheker seinen Beruf nicht als Gewerbe aus und er ist dadurch
der Classification als Kaufmann entrückt. Denn wenn schon die
Apothekerordnung vom Jahre 180(3 eine nicht blos technische, sondern
rein wissenschaftliche Vorbildung verlangte und sich deren durch
Prüfung bei der Aufnahme als Lehrling, nach Beendigung der Lehr-
zeit und endlich bei der Aufnahme versicherte (Art. 1—23), so find
seit jener Zeit die Fortschritte in den sog. Naturwissenschaften, in
Physik und Chemie, deren reicher Schatz bei der Bereitung der
Arzneistoffe zur Anwendung zu kommen hat, so außerordentlich, daß
eine eigentlich wissenschaftliche Bildung und der Besuch einer
Hochschule dem Apotheker unentbehrlich ist.
Dieß schreibt auch der Entwurf einer Apotheker-Ordnung vom
Jahre 1840 vor. V.lb525.*)
Will man daher zwischen Gewerbe und Berus unterscheiden, je
nachdem die Vorbildung und Ausübung auf Wissenschaft oder Kunst
beruht oder nicht beruht, dann ist der Betrieb einer Apotheke dem
Gewerbe nicht beizuzählen.**)
Unterscheidet mau aber nicht, dann fällt unter den Wortlaut
des Art. 4 und 271, Ziff. 1 eine Reihe von Künstlern, die trotz dieser
bestimmten Vorschrift noch Niemand unter die Kaufleute gezählt
hat. Denn auch der Künstler, der von seiner Kunst lebt, sie daher
nicht als Liebhaberei, sondern als Berus, also gewerbemäßig treibt,
ersteht Rohstoffe, be- oder verarbeitet und verkauft sie.
Dieß thut der Bildhaner, der Modelleur und Erzgießer, der Kupfer-
und Stahlstecher, der Holzschneider, der Bildschnitzer u. A.
Man verlangt nicht, daß diese Be - und Verarbeiter von Roh-
stoffen und Verkäufer ihrer Kunstproducte zum Firmenregister sich
eintragen lassen. Das Leben ist über den Buchstaben des Gesetzes

*) lieber den Unterricht dortselbst von § 7—23.
**) Das Strafgesetzbuch nennt in § 541. 543 ihren Beruf ausdrücklich „eine
Kunst."

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