Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 7 (1866))

Königreich Sachsen. 425
welches der Handelsverkehr nicht kennt und wegen der nothwendig
damit verbundenen Weiterungen nicht duldet.
Vergl. Thöl a.a. O. § 315., S. 183 flg.
Nun gehört zwar allerdings im Allgemeinen der Handtungs-
commis nicht zu den Stellvertretern (Institoren) des Principals.
Allein befindet er sich in dem Comptoir, Verkaufsgewölbe und ge-
wöhnlichen Geschästslocale, so ist vermöge einer allgemeinen
Handelsusance dadurch zugleich die Genehmigung des Principals
ausgesprochen, daß der Dritte mit dem Diener in vollgültiger, den
Principal verpflichtender Weise Geschäfte abschließen könne, sofern
solche zu den lausenden und in dem betreffenden Geschästslocale ge-
wöhnlich abgeschlossenen gehören. Insbesondere gilt der Commis
unter der gedachten Voraussetzung als berechtigt, bestellte Waaren
anzunehmen, Zahlungen einzucassiren und darüber zu quittiren und
überhaupt alles, was auf bereits abgeschlossene Geschäfte sich be-
zieht, zu verrichten.
Vergl. Curtius a. a. O. Note aa.
Wochenblatt für merkwürdige Rechtsfälle, Jahrg. 1843,
S. 5 und die daselbst angeführte Literatur.
Waltet über die Gültigkeit der soeben hervorgehobenen Grund-
sätze des gemeinen Handelsrechts im Allgemeinen kein Zweifel ob,
so ist, was die neueren Bestimmungen des allg. d. H.-G.-B. an-
langt, zuvörderst daran zu erinnern, daß nach Art. 1 dieses Gesetz-
buchs Handelsgebräuche und Sätze des gemeinen Rechtes, so weit sie
nicht durch die speciellen Bestimmungen des Gesetzbuchs aufgehoben
sind, neben den letzteren fortdauernd Gültigkeit anzusprechen haben.
Hiernächst ist festzuhalten, daß der erwähnte Art. 50 schon
seinem Wortlaute nach keine allgemeine Normiruug aller ein-
schlagenden Fragen beabsichtigt, sondern nur einen hierher gehörigen
Fall kaufmännischer Anstellung direct entscheidet, wer in einem offenen
Magazine, Laden oder in einem Waarenlager angestellt ist, soll — ganz
gleich, ob er sonst Handelsgehülse ist oder nicht— als bevollmächtigt
gelten. Der Artikel regulirt offenbar nur die Verhältnisse des
Detailverkaufs.
Vergl. S. 97 der Conferenzprotocolle.
Augenscheinlich hat aber damit das oben angeführte allgemeine

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